Smedley Darlington Butler: Krieg ist ein Schwindel

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[Anmerkung: Hier lesen Sie eine Übersetzung der im Jahr 1935 in Buchform veröffentlichten, erweiterten und 25 Normseiten (17 DIN-A4 Seiten) umfassenden Version einer ergreifenden Rede von Generalmajor Smedley Butler, deren kürzeres Manuskript vermutlich aus dem Jahr 1933 stammt. Smedley Butler war bemerkenswerterweise, ähnlich wie Prof. John Beaty, dem Autor von The Iron Curtain over America (einem bereits im Jahr 1951 erschienenen, so aufschluß- wie umfangreichem historischen Werk, dessen deutschsprachige Ausgabe in der BRiD vermutlich umgehend vom Markt genommen werden würde), anscheinend bereits in der Mitte der 1930er Jahre klar, daß die Vereinigten Staaten sich schon damals auf den Zweiten Weltkrieg vorbereitet haben. Was Sie sich beim Lesen stets vor Augen halten sollten ist, daß Deutschland für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs weder verantwortlich noch dessen Verursacher gewesen ist.

Die meisten der wenigen vom Übersetzter eingefügten Links verweisen auf deutschsprachige Quellen.

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Von Smedley Darlington Butler
Übersetzung©: Andreas Ungerer

 

 

Inhalt

 

Kapitel 1: Krieg ist ein Schwindel

Kapitel 2: Wer macht die Gewinne?

Kapitel 3: Wer bezahlt die Rechnung?

Kapitel 4: Wie läßt sich dieser Schwindel zerschlagen?

Kapitel 5: Zur Hölle mit dem Krieg!

 

Smedley Darlington Butler

  • geb. 30. Juli 1881 in West Chester, Pa
  • Schulabschluß: Haverford School
  • Heirat mit Ethel C. Peters in Philadelphia am. 30. Juni 1905
  • Erhielt zwei Ehrenmedaillen des Kongresses:

1. Eroberung von Vera Cruz, Mexico, 1914

         2. Eroberung von Ft. Riviere, Haiti, 1917
  • Ehrenmedaille, 1919
  • Generalmajor des United States Marine Corps
  • Ruhestand: ab 1. Oktober 1931
  • In Abwesenheit: Amt des Direktors des Sicherheitsdienstes von Philadelphia, 1932
  • Während der 1930er Jahre Vortragsredner
  • Senatskandidat für die Republikaner, 1932
  • Gestorben am 21. Juni 1940 im Marinekrankenhaus in Philadelphia
  • Für weitere Informationen über Generalmajor Butler wenden Sie sich an das Marine Corps der Vereinigten Staaten.

 

Kapitel 1

Krieg ist ein Schwindel

KRIEG ist ein Schwindel und ist es immer gewesen.

Es ist wahrscheinlich der älteste und schlicht profitabelste, jedoch gewiß der brutalste Schwindel. Er ist der einzige von internationaler Bedeutung und der einzige, dessen Gewinne in Dollars und dessen Verluste mit Menschenleben bezahlt werden.

Ein Schwindel ist, wie ich glaube, etwas, das nicht das ist,wofür es der Großteil der Menschen hält. Nur eine kleine Gruppe von „Eingeweihten“ weiß, worum es dabei geht. Er wird zugunsten der sehr kleinen Minderheit, auf Kosten der sehr großen Mehrheit betrieben. Am Krieg verdienen ein paar sehr wenige Menschen äußerst viel Geld.

Im [1.] Weltkrieg  hat nur eine Handvoll Menschen die Gewinne des Konflikts eingestrichen. Immerhin erhöhte sich die Zahl der Millionäre und Milliardäre während des Krieges in den Vereinigten Staaten um 21.000. So viele fügten ihre Blutgewinne ihren Steuererklärungen hinzu. Wie viele andere Kriegsmillionäre ihre Steuererklärungen gefälscht haben, weiß niemand.

Wie viele dieser Kriegsmillionäre haben je ein Geweht geschultert? Wie viele von ihnen haben Schützengräben ausgehoben? Wie viele andere Kriegsmillionäre ihre Steuererklärungen gefälscht haben weiß niemand. Wie viele dieser Kriegsmillionäre wohl je ein Gewehr geschultert haben? Wie viele von ihnen haben einen Schützengraben ausgehoben? Wie viele von ihnen wußten, wie es sich anfühlt hungrig in einen rattenverseuchten Bunker zu gehen.? Wie viele von ihnen haben schlaflose, angsterfüllte Nächte damit verbracht sich vor Bomben und Schrapnellen und Maschinengewehrkugeln zu ducken? Wie viele von ihnen haben je einen Bajonettstoß eines Gegners pariert? Wie viele von ihnen wurden im Kampf verwundet oder getötet?

Nach dem Ende von Kriegen erbeuten deren Sieger zusätzliches Territorium, indem sie es sich einfach nehmen. Diese neu erworbene Territorium machen sich einige wenige umgehend zunutze – dieselben Wenigen, die sich am Blutvergießen des Kriegs bereichert haben. Die Kostenlast trägt die Öffentlichkeit.

Und worin bestehen die Kosten?

Diese Kosten sind erschreckend hoch. Neu errichtete Grabsteine. Zerfetzte Körper. Zerbrochene Gemüter, Zerbrochene Herzen und Familien. Wirtschaftliche Instabilität. Depression und die damit verbundenen Mißstände. Erdrückende Steuern für Generation um Generation.

Nach vielen Jahren als Soldat erwuchs in mir der Verdacht, daß der Krieg ein Schwindel sei. Doch bevor ich in den Ruhestand ging, habe ich das nicht vollständig erkannt. Da ich nun die Wolken eines internationalen Krieges heraufziehen sehe, wie sie es heute tun, muß ich diesem entgegentreten und darüber berichten.

Erneut gibt es zwei Seiten. Frankreich und Rußland haben sich verbündet und vereinbart sich beizustehen. Italien und Österreich haben sich beeilt ein ähnliches Abkommen zu schließen. Polen und Deutschland werfen sich sehnsüchtige Blicke zu und vergessen einstweilen [eine einzigartige Gelegenheit] ihren Streit über den polnischen Korridor.

Das Attentat auf den jugoslawischen König Alexander I. hat die Situation komplizierter gemacht. Jugoslawien und Ungarn wären sich beinah an die Kehlen gesprungen. Italien war bereit einzuspringen. Aber Frankreich hat, ebenso wie die Tschechoslowakei, abgewartet. Sie alle haben einen Krieg herbeigesehnt. Nicht die Menschen – nicht diejenigen die kämpfen, zahlen und sterben – sondern jene, die Kriege schüren und daheim in Sicherheit bleiben, um an ihnen zu profitieren.

Heutzutage stehen 40.000.000 Mann unter Waffen, und unsere Staatsmänner und Diplomaten besitzen die Frechheit zu behaupten, es werde kein Krieg vorbereitet.

Das darf doch nicht wahr sein! Wurden diese 40.000.000 Männer zu Tänzern ausgebildet?

In Italien ganz sicher nicht. Premierminister Mussolini weiß, wofür sie ausgebildet worden sind. Er allein hat, immerhin, den Mut es frei auszusprechen. Erst Gestern hat Il Duce in der „International Conciliation“, dem Magazin der Carnegie Stiftung für Internationalen Frieden, gesagt:

„Und vor allem glaubt der Faschismus, je mehr er die Entwicklung der Menschheit, abseits aktueller politischer Entwicklungen, betrachtet, weder an die Möglichkeit noch an die Zweckmäßigkeit des dauerhaften Friedens…. Allein der Krieg führt uns zur Hochspannung menschlicher Energie und erhebt jene, die den Mut haben ihn zu führen, in den Adelstand.“

Zweifelsohne mein Mussolini genau das, was er sagt. Seine gut ausgebildete Armee, seine große Flotte an Flugzeugen und sogar seine Marine sind kriegsbereit – was offensichtlich besorgniserregend ist. Sein kürzliches Bekenntnis zur ungarischen Seite bei deren Streit mit Jugoslawien, war der Beweis dafür. Und die schnelle Mobilmachung seiner Truppen an der österreichischen Grenze nach dem Attentat auf Dollfuss hat das ebenfalls gezeigt. Es gibt noch weitere Staaten in Europa deren Säbelrasseln, früher oder später, zum Vorboten des Krieges wird.

Herr Hitler ist mit seiner Aufrüstung Deutschlands und seinen andauernden Forderungen nach immer mehr Waffen ist eine ähnliche, wenn nicht größere, Bedrohung für den Frieden. Frankreich hat erst kürzlich den Wehrdienst von einem Jahr auf 18 Monate erhöht.

Ja, überall kampieren die Nationen unter ihren Waffen. Europas tollwütige Hunde laufen frei herum. Im Orient wird geschickter manövriert. Im Jahre 1904,als Rußland mit Japan im Krieg war, haben wir unsere alten Freunde, die Russen, vor die Tür gesetzt und Japan unterstützt. Danach haben unsere äußerst großzügigen internationalen Bankern Japan finanziert. Nun geht der Trend dahin die Stimmung gegenüber Japan zu vergiften. Was bedeutet die Politik der „offenen Tür“ für uns? Unser Handel mit China beträgt $90.000.000 Dollar im Jahr. Oder die Philippinischen Inseln? Wir haben in den vergangenen fünfunddreißig Jahren $600.000.000 Dollar an die Philippinen gespendet, und wie (unsere Bankiers, Industriellen und Spekulanten) habe dort Privatinvestitionen von weniger als §200.000.000 Dollar.

Dann sollten wir gegen Japan aufgehetzt werden, um den Handel mit China in Höhe §90.000.000 Dollar zu sichern oder diese Privatinvestitionen von weniger als $200.000.000 Dollar zu erhalten und gegen Japan in den Krieg zu ziehen – ein Krieg, der uns gut Zig Milliarden Dollar, Hunderttausende Leben von Amerikanern und viele weitere Hunderttausende an physisch verkrüppelten und psychisch gestörten Männern kosten kann.

Sicherlich würden für diese Verluste ausgleichende Profite erzielt – es würden Vermögen gemacht. Millionen und Milliarden Dollar würden angehäuft. Von ein paar wenigen Munitionsfabriken. Banker, Fabrikanten (Industrielle / Anm. d. Übers.), Fleischverpacker und Spekulanten. Ihnen würde es gut gehen.

Ja, sie bereiten sich auf einen weiteren Krieg vor. Warum auch nicht? Er bringt hohe Dividenden.

Aber was bringt er den Männern, die getötet werden? Was bringt er ihren Müttern und Schwestern, ihren Frauen und Geliebten? Was bringt er ihren Kindern?

Was bringt er irgendwem, außer den paar Wenigen, denen der Krieg Riesenprofite beschert?

Ja, und was bringt er der Nation?

Betrachten Sie unsere eigene Geschichte. Bis zum Jahr 1898 haben wir kein Stücken Land außerhalb des nordamerikanischen Festlands besessen. Damals haben unsere Schulden etwas weniger als 1 Milliarde Dollar betragen. Damals waren wir „international geachtet“.  Wir haben den Rat unseres Landesvaters vergessen oder beiseite geschoben. George Washingtons Warnung vor „verwirrenden Bündnissen.“ Wir sind in den Krieg gezogen. Wir haben fremdes Territorium erbeutet. Am Ende der Weltkriegsphase waren unsere Staatsschulden als direkte Folge unserer Einmischung in internationale Angelegenheiten auf über 25 Milliarden Dollar in die Höhe geschnellt. Unsere aktive Handelsbilanz hat während der fünfundzwanzig Jahre dauernden Phase 24 Milliarden Dollar betragen. Daher haben wir, aus buchhalterischer Sicht, Jahr für Jahr ein kleines Defizit verbucht, und dieser Außenhandel hätte, ohne die Kriege, möglicherweise der unsere sein können.

Es wäre für den Durchschnittsamerikaner, der die Rechnung zahlt, deutlich billiger (um nicht zu sagen sicherer) gewesen, sich aus ausländischen Verwicklungen herauszuhalten. Dieser Schwindel führt, wie Alkoholschmuggel oder andere Formen von Betrug in der Unterwelt, zu phantastischen Gewinnen, jedoch kommt ausschließlich das Volk, das hieran gar nicht profitiert, für die Kosten solcher Operationen auf.

 

Kapitel 2

Wer macht die Gewinne?

Der Weltkrieg hat die Vereinigten Staaten, trotz unserer nur kurzen Beteiligung an ihm, etwa 52 Milliarden Dollar gekostet. Rechnen Sie selbst. Das sind $400 Dollar für jeden amerikanischen Mann, jede Frau und jedes Kind. Und wir haben die Schulden immer noch nicht beglichen. Wir bezahlen sie, unsere Kinder werden sie bezahlen und vermutlich werden auch unsere Enkel noch die Kosten des Krieges bezahlen.

Die normalen Gewinnmargen eines Unternehmens in den Vereinigten Staaten betragen sechs, acht, zehn und manchmal zwölf Prozent. Aber Gewinne in Kriegszeiten – ah! das ist ein anderes Ding – zwanzig, sechzig, einhundert, dreihundert und sogar achtzehnhundert Prozent Gewinn sind möglich – die Grenzen liegen im Himmel. Der Handel machtʼs möglich. Onkel Sam hat das Geld. Kommt, laßt es uns holen.

Tatsächlich wird dieser Umstand in Kriegszeiten nicht so primitiv vorgetragen. Er wird in Vorträge über Patriotismus, über Vaterlandsliebe und Floskeln, wie „wir müssen uns mächtig ins Zeug legen“, gekleidet, aber die Profite sprießen, springen hervor und schießen in die Höhe – und werden sicher vereinnahmt. Schauen wir uns einige wenige Beispiele an:

Nehmen wir die du Ponts, die Schießpulver-Leute  – hat nicht kürzlich einer von ihnen vor dem Senat bezeugt, daß ihr Schießpulver den Krieg gewonnen oder die Welt zugunsten der Demokratie gerettet hat oder irgend so etwas? Was haben sie im Krieg getan? Sie waren ein patriotisches Unternehmen. Nun, die Durchschnittsgewinne der du Ponts betrugen zwischen 1910 und 1914 jährlich etwa 6 Millionen Dollar. Das war nicht viel, aber den du Ponts ist es gelungen, sich davon über Wasser zu halten. Nun schauen wir uns ihre durchschnittlichen Jahresgewinne in den Jahren von 1914 bis 1918 an. Achtundfünfzig Millionen Dollar jährlich! Fast zehn Mal mehr als in Friedenszeiten, und dabei waren die Gewinne diesen ja schon ganz gut. Eine Gewinnsteigerung um 950 Prozent.

Nehmen Sie eines dieser kleinen Stahlunternehmen, welche die Produktion von Eisenbahnschienen, Stahlträgern und Brücken für die Herstellung von Kriegsmaterial patriotisch beiseite geschoben haben. Nun, ihre jährlichen Gewinne beliefen sich in den Jahren 1910-1914 auf durchschnittlich 6 Millionen Dollar. Dann kam der Krieg. Und, wie alle staatstreuen Bürger, hat sich Bethlehem Steel der Munitionsproduktion zugewandt. Sind ihre Gewinne rasant gestiegen – oder haben sie Onkel Sam daran beteiligt? Nun, ihr Durchschnittsgewinn betrug zwischen 1914 und 1918 49 Millionen Dollar pro Jahr!
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Oder nehmen wir United States Steel. Die normalen Gewinne während der fünf Jahre vor dem Krieg betrugen 105 Millionen Dollar. Nicht schlecht. Dann kam der Krieg, und schon sprudelten die Gewinne. Der Jahresdurchschnittsgewinn zwischen 1914 und 1918 betrug 240 Millionen Dollar. Nicht schlecht.

Das waren also einige der Gewinne bei Stahl und Schießpulver. Schauen wir uns etwas anderes an. Ein bißchen Kupfer vielleicht. Das macht sich immer gut in Zeiten des Krieges.

Anaconda, zum Beispiel. Der Jahresdurchschnittsgewinn betrug in den Vorkriegsjahren von 1910-1914 10 Millionen Dollar. Während des Krieges sprangen die Profite auf 34 Millionen Dollar pro Jahr.

Oder Utah Copper. Der Jahresdurchschnittsgewinn, der zwischen 1910 und 1914 5 Millionen Dollar betragen hat, stieg während des Krieges sprunghaft auf 21 Millionen Dollar an.

Fassen wir diese fünf mit drei kleineren Unternehmen zusammen betrugen die jährlichen Gewinne in der Vorkriegszeit zwischen den Jahren 1910 und 1914 137 Millionen Dollar. Dann kam der Krieg. Der Jahresdurchschnittsgewinn schoß auf 408,3 Millionen Dollar in die Höhe.

Eine kleine Profisteigerung um schätzungsweise 200 Prozent.

Ist Krieg gewinnbringend? Für sie schon. Aber sie sind nicht die einzigen. Es gibt noch weitere. Nehmen wir beispielsweise Leder.

In den drei Jahren vor dem Krieg beliefen sich die Gesamtgewinne der Central Leather Company auf 3,5 Millionen Dollar. Das waren ca. 1,167 Millionen Dollar jährlich. Nun, im Jahr 1916 machte die Central Leather Company einen Gewinn von 15 Millionen Dollar, was einer kleinen Gewinnsteigerung von  1.100 Prozent entspricht. Mehr war nicht zu machen. Die General Chemical Company erwirtschaftete in den drei Vorkriegsjahren ein wenig mehr als 800.000 Dollar jährlich. Nach Kriegsausbruch schossen die Gewinne auf 12 Millionen Dollar in die Höhe. Eine Steigerung von 1.400 Prozent.

Die International Nickel Company –  und Nickel ist für einen Krieg unverzichtbar – erzielte eine Steigerung des Reingewinns von jährlich 4 Millionen Dollar auf 73 Millionen Dollar. Nicht schlecht? Eine Gewinnsteigerung von 1.700 Prozent.

Der Jahresgewinn der American Sugar Refining Company betrug in den drei Vorkriegsjahren 2 Millionen Dollar. Im Jahr 1916 erzielte sie einen Rekordgewinn von 6 Millionen Dollar.

Betrachten Sie das Senatsdokument No. 259. Dort hat der fünfundsechzigste Kongreß über Unternehmensgewinne und Staatseinnahmen berichtet und die Gewinne von 122 Fleischverarbeitungsunternehmen, 153 Baumwollfabriken, 299 Bekleidungsherstellern, 49 Stahlwerken und 340 Kokereien während des Krieges untersucht. Gewinnmargen unter 25% waren die Ausnahme. Beispielsweise lagen sie bei Stahlwerken, während des Krieges zwischen 100 und 7.856 Prozent über ihren Stammkapital. Die Schlachtereien in Chicago haben ihre Gewinne verdoppelt und verdreifacht.

Und lassen Sie uns nicht die Bankiers vergessen, die den Großen Krieg finanziert haben. Wenn jemand das Sahnehäubchen an den Profiten abgeschöpft hat, waren es die Bankiers. Da es sich eher um Kooperationen als um eingetragene Organisationen gehandelt hat, waren sie nicht verpflichtet ihren Aktionären Bericht zu erstatten. Und ihre Gewinne waren ebenso so geheim wie immens. Wie die Bankiers ihre Millionen und Milliarden gemacht haben, weiß ich nicht, weil diese kleinen Geheimnisse nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch dem Untersuchungsausschuß des Senats stets verborgen bleiben.

Hier jedoch ein Weg, wie einige der anderen patriotischen Industriellen und Spekulanten sich auf den Parcours der  Kriegsgewinne gemogelt haben.

Nehmen wir die Schuhherstellen. Sie mögen den Krieg. Er beschert Geschäfte mit abnormen Gewinnen. Sie machten riesige Gewinne im Außenhandel mit unseren Verbündeten. Wahrscheinlich haben sie, ebenso wie die Munitions- und Waffenhersteller, auch mit dem Feind Handel betrieben.

Ein Dollar bleibt ein Dollar, ob er nun aus Deutschland oder aus Frankreich kommt. Aber sie haben sich auch bei Onkel Sam bedient. Beispielsweise haben sie Onkel Sam 35 Millionen Paar genagelte Kampfstiefel verkauft, bei 4 Millionen Soldaten. Acht Paar und mehr pro Soldaten. Mein Regiment hatte während des Krieges nur ein Paar pro Soldaten, und einige dieser Schuhe existieren vielleicht immer noch. Es waren gute Schuhe. Als der Krieg jedoch vorüber war, hatte Onkel Sam 25 Millionen Schuhe übrig, die gekauft und bezahlt worden waren. Die Gewinne wurden erfaßt und eingesackt.

Es war immer noch eine Menge Leder übrig. Also haben die Lederfabriken ihrem Onkel Sam Hunderttausende McClellan-Sättel für die Kavallerie verkauft. Obwohl kein einziger Kavallerist in Übersee gekämpft hat! Jedoch mußte irgendwer dieses Leder loswerden. Irgendwer mußte damit Gewinn machen – deshalb hatten wir so viele McClellan-Sättel und haben sie vermutlich noch immer.

Auch hatte irgend jemand sehr viele Moskitonetze übrig. Also haben sie 2 Millionen Stück davon für die Soldaten in Übersee an ihren Onkel Sam verkauft. Ich schätze, daß sie erwartet haben, daß die Jungs sie über sich legten, wenn sie versucht haben in Schlammlöchern Schlaf zu finden – während sie sich mit der einen Hand ihren verlausten Rücken gekratzt und mit der anderen vorbeihuschende Ratten verscheucht haben. Nun, kein einziges dieser Moskitonetze ist jemals in Frankreich angekommen!

Irgendwie haben diese fürsorglichen Fabrikanten sicherstellen wollen, daß es keinem Soldat an einem Moskitonetz fehlt, und deshalb wurden zusätzlich 33,4 km² Moskitonetz an Onkel Sam verkauft.

Die Gewinne durch den Verkauf von Moskitonetzen waren ausgezeichnet in jenen Tage, obwohl es in Frankreich keine Moskitos gab. Ich schätze, daß die geschäftstüchtigen Moskitonetzhersteller, hätte der Krieg noch ein wenig länger gedauert, ihrem Onkel Sam noch einige Moskitos für Frankreich geliefert hätten, damit mehr Moskitonetze bestellt worden wären.

Flugzeug- und Flugmotorenhersteller meinten, daß auch sie am Krieg Gewinne machen sollten. Warum nicht? Andere haben es schließlich auch gemacht. Also steckte Onkel Sam 1 Milliarde Dollar – zählen Sie sie, wenn Sie lange genug leben –  in den Bau von Flugzeugmotoren, die niemals den Boden verlassen haben! Nicht ein einziges der Flugzeuge oder Motoren, die mit dieser Milliarde Dollar bestellt worden waren, kam je in den Schlachten in Frankreich zum Einsatz. Gleichwohl haben dieselben Hersteller eine bescheidene Gewinnmaximierung von 30, 100 oder möglicherweise sogar 300 Prozent erlebt.

Unterhemden für Soldaten kosten 14 Cent in der Herstellung und Onkel Sam zahlte pro Hemd 30-40 Cent – ein netter kleiner Gewinn für die Hersteller von Unterhemden. Und die Socken-, die Uniform- und die Verschlußkappen- sowie die Helm-Industrie – alle hatten ihren Anteil daran.

Warum füllten, als der Krieg zu Ende war 4 Millionen Ausrüstungspakete – Tornister und die Dinge, mit denen sie befüllt werden – Lagerhäuser auf deren Gelände? Nun werden sie verschrottet, weil sich mit der Zeit der Inhalt verändert hat. Aber die Hersteller haben ihre Kriegsgewinne behalten – und das werden auch beim nächsten Mal wieder tun.

Es gab eine Menge brillanter Geschäftsideen während des Krieges.

Ein äußert vielseitig begabter Patriot hat Onkel Sam zwölf  Dutzend 48-Zoll Schraubenschlüssel verkauft. Ach, waren das schöne Schlüssel. Das einzige Problem war, daß nur nur ein einziges Mal eine Mutter dieser Größe hergestellt worden ist, und das ist die, mit denen die Turbinen der Niagara-Fälle befestigt sind. Nachdem Onkel Sam sie gekauft und der Hersteller den Gewinn unter den Nagel gerissen hat, wurden die Schlüssel auf LKWs verladen und durch die Vereinigten Staaten gefahren, um einen Einsatzort für sie zu finden. Der Tag, an dem Waffenstillstand unterzeichnet worden ist, war ein herber Rückschlag für den Schraubenschlüsselhersteller, da er gerade dabei gewesen ist, die passenden Mutter für diese Schlüssel zu produzieren, die er geplant hatte daraufhin an Onkel Sam zu verkaufen.

Wieder ein anderer hatte die brillante Idee, daß Oberste sich weder in Autos noch auf Pferderücken fortbewegen sollten. Vermutlich hatte man zuvor ein Bild von dem in einer Kutsche fahrenden Andy Jackson gesehen. So wurden Onkel Sam, etwa 6.000, nur für den Gebrauch von Obersten bestimmte offene Kutschen verkauft! Keine von ihnen ist jemals benutzt worden, jedoch hat der Kutschenproduzent seinen Gewinn gemacht.

Die Reedereien meinten, daß ihnen auch ein Stück vom Kuchen zusteht. Sie bauten eine Menge Schiffe und machten einen dementsprechenden Gewinn im Wert von 3 Milliarden Dollar. Einige der Schiffe waren in Ordnung, andere jedoch, im Wert von 635 Millionen Dollar waren hingegen aus Holz gebaut und nicht einmal schwimmfähig! Sie hatten offene Fugen – und sind gesunken. Dennoch haben wir dafür bezahlt. Und irgendwer hat sich die Gewinne eingesackt.

Statistiker, Ökonomen und Wissenschaftler haben geschätzt, daß der Krieg ihren Onkel Sam 52 Milliarden Dollar gekostet hat. Von diesem Betrag sind 39 Milliarden Dollar tatsächlich in den Krieg geflossen. Der Gewinnanteil an dieser Summe betrug 16 Milliarden Dollar. Auf diese Art und Weise sind 21.000 Menschen zu Millionären und Milliardären geworden. Diese 16 Milliarden Dollar an Gewinnen sind nicht zu verachten, sondern sie sind ein hübsches Sümmchen, das nur an sehr wenige geflossen ist.

Der Kontrollausschuß des Senats für die Munitionsindustrie und deren Kriegsgewinne hat, trotz seiner sensationellen Enthüllungen, jedoch nur an der Spitze des Eisbergs gekratzt.

Dennoch hatte dies eine gewisse Wirkung. Das Außenministerium hat „eine Zeit lang“ nach Wegen gesucht, sich aus Kriegen herauszuhalten. Das Kriegsministerium hat mit einem Mal entschieden, einen Plan zu erarbeiten. Die Regierung ernennt eine Kommission, um die Gewinne in Kriegszeiten zu begrenzen – in der Armee und Marine geschickt von den Vorsitzenden eines Börsenspekulanten an der Wall Street vertreten werden. Einen Vorschlag zum Ausmaß der Begrenzung gab es nicht. Hmmm. Möglicherweise sollten künftig die 300-, 600- und 1.600-prozentigen Gewinne derjenigen, die im Weltkrieg Blut in Geld verwandelt haben etwas geringer ausfallen.

Allem Anschein nach fordert der Plan jedoch keine Begrenzung der Verluste – was die Verluste jener meint, die den Krieg ausfechten. Soweit ich feststellen konnte,gibt es keine Begrenzung für die Verluste eines Soldaten auf ein Auge oder einen Arm und keine Begrenzung der Anzahl seiner Verwundungen auf ein, zwei oder drei. Und keine Begrenzung der Gefallenen.

Nichts deutet in diesem Plan darauf hin, daß etwa nur 12 Prozent eines Regiments in der Schlacht verwundet werden oder nicht mehr als 7 Prozent getötet werden dürfen.

Selbstverständlich kann sich die Kommission jedoch nicht mit solchem Kleinkram herumschlagen.

 

Kapitel 3

Wer bezahlt die Kosten?

Wer trägt die Kosten für die Gewinne – diese netten kleinen Gewinne in Höhe von 20, 100, 300, 1.500 und 1.800 Prozent? Wir alle zahlen sie – mit unseren Steuergeldern. Wir haben die Gewinne der Bankiers bezahlt, als wir Liberty Bonds im Wert von 100 Dollar gekauft und sie denselben Bankern für 84 oder 86 Dollar wieder verkauft haben. Diese Bankiers haben mehr als 100 Dollar erhalten. Es war ein simpler Trick. Die Bankiers kontrollieren den Sicherheitsmarkt. Für sie war es einfach den Preis dieser Anleihen zu drücken. Dann haben alle von uns – dem Volk – Angst bekommen und die Bonds für 84 Dollar  oder 86 Dollar verkauft. Die Banker haben sie erworben. Dann haben ebendiese Banker einen Aufschwung erzeugt und die Anleihen erreichten wieder ihren Nennwert – und mehr als diesen. Dann haben die Bankiers ihre Gewinne eingesammelt.

Der Soldat jedoch bezahlt den Bärenanteil dieser Rechnung.

Wenn sie das nicht glauben, besuchen sie amerikanische Soldatenfriedhöfe auf den Schlachtfeldern im Ausland. Oder besuchen sie eines der Veteranen-Hospitäler in den Vereinigten Staaten. Bei einer Reise durch dieses Land, in deren Mitte ich mich zur Zeit befinde, habe ich achtzehn Regierungskrankenhäuser für Veteranen besucht. In ihnen befinden sich 50.000 zerstörte Männer – Männer, die vor 18 Jahren die Spitze der Nation gewesen sind. Der kompetente Chefchirurg des Regierungskrankenhauses in Milwaukee, wo sich 3.800 dieser lebendigen Toten befinden, hat mir erzählt, daß die Sterblichkeit unter den Veteranen drei Mal höher ist als unter den Daheimgebliebenen.

Jungen mit normalen Perspektiven wurden von den Feldern, aus den Büros und Fabriken und Klassenräumen gerissen und in die Kompanien eingereiht. Dort sind sie umgeformt worden. Sie
wurden überarbeitet. Sie wurden dazu gebracht eine „Kehrtwende“ zu machen, dazu Mord als alltäglich zu betrachten. Sie wurden Schulter an Schulter gestellt und mittels Massenpsychologie vollständig umgekrempelt. Wir haben sie ein paar Jahre lang benutzt und sie gelehrt an nicht anderes zu denken als daran zu töten oder getötet zu werden.

Dann haben wir sie aus der Pflicht entlassen und ihnen erzählt eine weitere „Kehrtwende“ zu machen“! Dieses Mal mußten sie sich jedoch selbst anpassen, ohne Massenpsychologie, ohne Rat und Hilfe von Offizieren und ohne landesweite Propaganda. Wir haben sie nicht mehr gebraucht. Also haben wir sie, ohne auch nur eine „dreiminütige“ Rede oder eine Rede über „Liberty Loans“ und ohne Paraden, verstreut. Viele dieser feinen Jungen waren schließlich psychisch am Ende, weil sie diese letzte „Kehrtwende“ allein nicht hinbekommen haben.

In dem Regierungskrankenhaus in Marion, Indiana, befinden sich 1.800 dieser Jungen in  Gewahrsam! Fünfhundert von ihnen in Kasernen hinter Gitterstäben und mit Stacheldraht um sämtliche Gebäude und Terrassen. Sie sind sind bereits psychische Wracks. Diese Jungen sehen nicht einmal mehr aus wie Menschen. Oh, der Blick in ihren Gesichtern! Physisch sind sie in guter Verfassung, aber psychisch sind sie tot.

Es gibt Tausende und Abertausende solcher Fälle, und es kommen stets weitere hinzu. Diese Jungen haben die enorme Spannung während des Krieges und den plötzlichen Abbruch dieser Spannung nicht ausgehalten.

Das ist ein Teil der Rechnung. So viel zu den Toten – sie haben ihren Anteil an den Kriegsgewinnen bereits bezahlt. So viel zu den psychisch und physisch Verwundeten – sie bezahlen ihren Anteil an den Kriegsgewinnen jetzt. Aber die anderen haben ebenso bezahlt – sie haben mit Kummer bezahlt, als sie sich ihren selbst ihrem Zuhause und ihren Familien entrissen haben, um in die Uniform von Onkel Sam zu schlüpfen – mit denen die Gewinne erzielt worden sind. Einen weiteren Preis haben sie in den Ausbildungslagern bezahlt, wo sie reglementiert und gedrillt worden sind, während andere ihre Arbeitsplätze und ihren Platz im Leben ihrer Gemeinden eingenommen haben. Sie haben dafür in den Schützengräben bezahlt, in denen sie geschossen haben und beschossen worden sind, wo sie zuweilen tagelang gehungert und wo sie bei Regen und Kälte im Schlamm geschlafen haben – unter dem Stöhnen und Schreien der Sterbenden, einem schauderhaften Wiegenlied.

Aber vergeßt nicht, daß auch der Soldat seinen Anteil an den Dollars und Cents der Rechnung bezahlt hat.

In den Zeiten des spanisch-amerikanischen Krieges hatten wir ein Besoldungssystem, unter dem alle Soldaten und Matrosen für ihren Kampf bezahlt worden sind. Während des Bürgerkriegs haben sie, vielfach, Boni erhalten, bevor sie den Dienst antraten. Die Regierung oder die Staaten haben bis zu 1.200 Dollar für eine Rekrutierung bezahlt. Im spanisch-amerikanischen Krieg haben sie Preisgelder erhalten. Wenn sie irgend ein Fahrzeug erbeutet hatten, erhielten alle Soldaten ihren Anteil daran –  zumindest war dies so vorgesehen. Später hat man sich ausgedacht, daß wir die Kosten der Kriege verringern könnten, wenn wir alle Preisgelder streichen und behalten und die Soldaten dennoch einberufen. Von da an konnten die Soldaten nicht mehr um den Preis ihrer Arbeit verhandeln. Jedermann konnte verhandeln, nur der Soldat konnte dies nicht.

Napoleon sagte einst:

„Alle Männer lieben Auszeichnungen . . . sie hungern förmlich danach.“

Bei Einführung des napoleonischen Systems – das Geschäft mit den Orden – hat die Regierung gelernt, daß sie Soldaten für weniger Geld bekommen konnte, weil die Jungs es mochten ausgezeichnet zu werden. Bis zum Bürgerkrieg hatte es keine Orden gegeben. Dann wurde die Ehrenmedaille des Kongresses verliehen. Sie hat die Rekrutierung vereinfacht. Nach dem Bürgerkrieg wurden bis zum spanisch-amerikanischen Krieg keine neuen Medaillen mehr ausgegeben.

Im Weltkrieg haben wir Propaganda benutzt, um die Jungs von ihrer Einberufung zu überzeugen. Sie sollten sich schämen. wenn sie nicht der Armee beitreten.

Diese Kriegspropaganda war dermaßen bösartig, daß selbst Gott dafür eingespannt worden ist. Mit wenigen Ausnahmen haben sich unsere Geistlichen an dem Aufruf beteiligt, zu töten, töten, töten. Gott ist auf unserer Seite … es ist Sein Wille, daß die Deutschen getötet werden.

Und in Deutschland haben die guten Pastoren die Deutschen dazu aufgerufen die Alliierten zu töten … um demselben Gott gefällig zu sein. Das war Teil der allgemeinen Propaganda, die ersonnen worden war, um in den Menschen das Bewußtsein für Krieg und Mord erschaffen.

Unseren Jungen, die in den Krieg geschickt wurden sind wundervolle Ideale mit auf den Weg gegeben worden. Das war der „Krieg zur Beendigung aller Kriege“.  Das war der Krieg „der die Welt für die Demokratie sicher macht.“ Niemand hat ihnen, als sie losmarschierten, erzählt, daß ihr Fortgehen und ihr Sterben riesige Kriegsgewinne erzeugen würde. Niemand hat diesen amerikanischen Soldaten erzählt, daß sie möglicherweise von Kugeln erschossen werden, die von ihren eigenen Brüdern hier hergestellt worden sind. Niemand hat ihnen erzählt, daß die Schiffe auf denen sie fahren würden von U-Booten torpediert werden könnten, die mit Patenten der Vereinigten Staaten konstruiert worden waren. Alles was ihnen erzählt worden ist war, daß es ein „ruhmreiches Abenteuer“ sei.

Es wurde beschlossen, daß jene, aus deren Kehlen der Patriotismus drang, für ihre Hilfe bei der Bezahlung des Krieges entlohnt werden müssen. Also haben wir sie mit dem üppigen Gehalt von 30 Dollar im Monat versorgt.

Alles, was sie für diese freigiebige Summe zu tun hatten war, ihre Liebsten und iher Arbeitsplätze zu verlassen und sich in schlammige Schützengräben zu legen, Dosenfleisch zu essen (wenn sie es bekommen sollten) und zu töten und zu töten und zu töten … und getötet zu werden.

Aber, warten Sie!

Die Hälfte diese Lohns (der nur etwas über dem lag, als ein Nieter in einer Schiffswerft oder ein Arbeiter in eine Munitionsfabrik in jener Zeit erhalten hat) wurde ihm sofort für die Unterstützung seiner Angehörigen abgezogen, damit diese nicht zu einer Belastung für seine Gemeinde werden würden. Dann mußte er noch in eine Unfallversicherung einzahlen, etwas, wofür jeder Angestellte in aufgeklärten Staaten zahlt, und was ihn 6 Dollar monatlich gekostet hat. Es blieben ihm also weniger als 9 Dollar im Monat übrig.

Aber die Spitze der Unverschämtheiten ist Folgende: Er wurde durch den Kauf von Kriegsanleihen buchstäblich genötigt für seine Munition, seine Kleidung und seine Lebensmittel selbst aufzukommen. Die meisten Soldaten hatten in jenen Tagen an Zahltagen kein Geld zur Verfügung.

Wir haben ihn genötigt Liberty Bonds für 100 Dollar zu kaufen, und dann haben wir sie zurückgekauft – für 84 Dollar und für 86 Dollar. Und die Soldaten hatten zuvo solche Anleihen im Wert von 2 Milliarden Dollar erworben!

Ja, der Soldat zahlt den größeren Teil der Rechnung. Seine Familie bezahlt ebenfalls. Sie zahlen mit demselben Kummer wie er. Wenn er leidet, leiden auch sie. Wenn er des Nachts in Schützengräben lag und die Granaten um sich herum explodieren sah, warfen sie zu Hause in ihren Betten schlaflos hin und her – sein Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Schwestern, seine Brüder, seine Söhne und und Töchter

Als er dann heimkehrte mit einem fehlenden Auge oder mit einem fehlenden Bein oder mit zerbrochener Seele, haben sie ebenfalls gelitten – genauso und manchmal sogar mehr als er selbst. Ja, und auch sie haben mit ihren Dollars zu den Gewinnen beigetragen, welche die Munitionshersteller und Bankiers und die Schiffswerften und die Spekulanten erzielt haben. Auch sie hatten Liberty Bonds gekauft und zu dem Profit der Bankiers bei dem Hokus Pokus mit den manipulierten Anleihepreisen nach dem Waffenstillstand beigetragen.

Und selbst jetzt noch leiden und bezahlen die Familien der verwundeten und der seelisch zerbrochenen Männer und jener, denen es nie gelungen wird sich jemals wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

 

Kapitel 4

Wer bezahlt die Rechnung?

Nun gut, es ist eine Gaunerei.

Einige wenige profitieren davon – die Mehrheit jedoch zahlt. Aber es gibt einen Weg sie zu beenden. Sie können sie nicht mit Abrüstungskonferenzen beenden. Sie können sie nicht mit Friedensgesprächen in Genf aus der Welt schaffen. Wohlmeinende jedoch untaugliche Organisationen können sie nicht durch Resolutionen ausradieren. Wirksam zerschlagen werden kann sie nur indem Kriege ihre Gewinne entrissen werden.

Der einzige Weg, diesen Schwindel zu zerschlagen besteht darin, Kapital und Industrie und Arbeiterschaft in die Pflicht zu nehmen, bevor die Männer der Nation zwangsverpflichtet werden können. Einen Monat bevor die Regierung die jungen Männer der Nation zwangsverpflichtet, muß sie Kapital und Industrie und Arbeiterschaft zwangsverpflichten. Laßt uns sowohl die Beamten und die Direktoren und die leistungsstarken Vorstände unserer Waffenhersteller und unserer Munitionsfabriken und unserer Schiffswerften und unserer Flugzeughersteller und die der Produzenten all der anderen Dinge, die zu Gewinnen in Kriegszeiten beitragen sowie die Bankiers und Spekulanten zu einem monatlichen Einkommen von 30 Dollar zwangsverpflichten, zu demselben Lohn, den die Kerle in den Schützengräben erhalten.

Laßt uns die Arbeiter in diesen Fabriken, alle Arbeiter, alle Präsidenten, alle Führungskräfte, alle Direktoren, alle Manager, alle Bankiers – und ja, alle Generäle und alle Admiräle und alle Offiziere und alle Politiker und alle Amtsinhaber der Regierung – einfach alle Menschen in dieser Nation auf ein monatlichen Einkommen beschränken, daß das der Soldaten in den Schützengräben nicht übersteigen darf!

Laßt und all die Könige und Magnaten und Meister des Handels und all die Industriearbeiter und all unsere Senatoren und Gouverneure und Bürgermeister die Hälfte ihres monatlichen Gehalts von 30 Dollar an ihre Familien und zusätzlich noch eine Kriegsversicherung zahlen und laßt sie Liberty Bonds kaufen.

Warum sollten sie das nicht tun?

Sie gehen nicht das Risiko ein getötet zu werden oder, daß ihre Körper geschunden oder ihre Seelen zerstört werden. Sie schlafen nicht in verschlammten Schützengräben. Sie sind nicht hungrig. Die Soldaten sind es!

Gebt dem Kapital und der Industrie und der Arbeiterschaft dreißig Tage Zeit, um darüber nachzudenken, und ihr werdet sehen, daß es dann nicht zu einem Krieg kommen wird. Das –  und sonst nichts – wird die Kriegsgaunerei zerschlagen.

Möglicherweise bin ich ein wenig zu optimistisch. Das Kapital hat schließlich einiges zu sagen. Also wird das Kapital dem Entzug der Kriegsgewinne nicht zustimmen, bis die Menschen – jene, die das Leid ertragen und nach wie vor den Preis bezahlen – sich dazu durchringen diejenigen, die sie gewählt haben, zu zwingen ihrem Willen nach zu handeln, und nicht nach dem der Profiteure.

Ein weiterer notwendiger Schritt in diesem Kampf zur Zerschlagung der Kriegsgaunerei ist die bedingte Volksabstimmung darüber, ob ein Krieg erklärt werden soll oder nicht. Eine Volksabstimmung nicht aller Wähler, sondern nur derjenigen, die aufgerufen wären zu kämpfen und zu sterben. Es wäre wenig sinnvoll einen 76 Jahre alten Präsidenten einer Munitionsfabrik oder den plattfüßigen Kopf eines internationalen Finanzunternehmens oder den schielenden Manager einer Fabrik für Uniformen, die alle von gigantischen Gewinnen im Falle eines Krieges träumen, darüber abstimmen zu lassen, ob die Nation in einen Krieg zieht oder nicht. Sie würden niemals dazu aufgerufen Waffen zu schultern – in Schützengräben zu schlafen und beschossen zu werden. Nur diejenigen, die aufgerufen wären ihr Leben für ihr Land zu riskieren, sollten das Privileg erhalten darüber abzustimmen, ob die Nation in den Krieg ziehen sollte oder nicht.

Das Musterbeispiel für eine Wahlbeteiligung ausschließlich jener, die von ihr betroffen sind. In vielen unserer Staaten gibt es Einschränkungen der Wahlberechtigung. In den meisten müssen Sie in der Lage sein lesen und schreiben zu können, um an Wahlen teilzunehmen. In einigen müssen sie Eigentum besitzen. Es wäre ein Leichtes alljährlich die Männer, die das wehrfähige Alter erreichen in ihren Gemeinden zu registrieren, wie sie es während während der Planung des Krieges getan und umgesetzt haben. Jene, die sie sich registrieren lassen und daher im Falle eines Krieges zu den Waffen gerufen würden, wären berechtigt an einer bedingten Volksabstimmung teilzunehmen. Es sollte sich um dies handeln, denen die Entscheidungsgewalt gehört, und nicht um einige wenige aus dem Kongreß, dessen Mitglieder sich im wehrfähigen Alter befinden und von denen noch weniger die physische Kondition besitzen um Waffen zu tragen. Nur jene, die das Leid ertragen müssen, sollten die Wahlberechtigung erhalten.

Ein dritter Schritt zur Zerschlagung der Kriegsgaunerei besteht darin sicherzustellen, daß unsere militärischen Streitkräfte tatsächlich nur Verteidigungszwecken dienen.

In jeder Sitzung des Kongresses taucht die Frage nach weiteren Mittelzuweisungen für die Marine auf. Die Bürostuhl-Admiräle in Washington (und davon gibt es immer eine ganze Menge) sind äußerst geschickte Lobbyisten. Und sie sind schlau. Sie rufen nicht: „Wir brauchen jede Menge Kriegsschiffe für den Krieg gegen diese oder jene Nation.“ Oh nein. Zunächst geben sie bekannt, daß Amerika von einer großen Seemacht bedroht wird. Fast täglich werden Ihnen diese Admiräle erzählen, daß eine große Flotte dieses angeblichen Gegners bald zuschlagen und 125 Millionen Menschen vernichten wird. Genau so. Dann beginnen sie nach einer größeren Marine zu rufen. Wofür? Um den Feind zu bekämpfen? Um Himmels willen, nein. Oh, nein. Nur zur Verteidigung.

Dann kündigen sie, ganz nebenbei, Manöver im Pazifik an. Zur Verteidigung. Aha.

Der Pazifik ist ein großer Ozean. Wir haben einen gewaltigen Küstenstreifen am Pazifik. Werden die Manöver zwei- oder dreihundert Meilen vor der Küste stattfinden? Oh, nein. Die Manöver werden zweitausend, wahrscheinlich sogar dreitausendfünfhundert Meilen vor der Küste stattfinden.

Die Japaner, ein stolzes Volk, werden sicherlich unaussprechlich dankbar dafür sein die Flotte der Vereinigten Staaten so nahe an Nippons Küsten zu sehen. Genauso erfreut wären die Einwohner Kaliforniens, wenn sie die japanische Flotte undeutlich durch den Morgennebel vor der Küste von Los Angeles bei Kriegsspielen beobachten würden.

Wie wir hieran erkennen können,sollte besonders der Aktionsradius unserer Kriegsmarine gesetzlich auf 200 Seemeilen vor unserer Küste beschränkt werden. Wäre das im Jahr 1898 der Fall gewesen, wäre die Maine niemals in den Hafen von Havana gelangt. Sie wäre niemals gesprengt worden. Der Krieg mit Spanien, mit seinem dazugehörigen Opfern, hätte niemals stattgefunden. Zweihundert Seemeilen sind, nach Meinung von Experten, zur Verteidigung ausreichend. Unsere Nation kann keinen Angriffskrieg beginnen, wenn ihre Schiffe sich nicht weiter als 200 Seemeilen von der Küste wegbewegen dürfen. Es mögen Pläne über einen Aktionsradius von 500 Seemeilen, zu Aufklärungszwecken, genehmigt werden. Und unsere Armee sollte niemals die territorialen Grenzen unserer Nation verlassen.

Zusammenfassend sei gesagt, daß drei Schritte unternommen werden müssen, um die Kriegsgaunerei zu zerschlagen:

  1. Wir müssen die  Profite an Kriegen ausmerzen.
  2. Wir müssen der Jugend des Landes, welche zu den Waffen gerufen würde, zur Entscheidung über Krieg und Frieden berechtigen.
  3. Wir müssen unsere Streitkräfte auf die Landesverteidigung beschränken.

 

Kapitel 5

Zur Hölle mit dem Krieg

Würde ich glauben, daß Kriege der Vergangenheit angehören, wäre ich ein Idiot. Ich weiß, daß die Menschen keinen Krieg wollen, aber es nutzt nichts zu sagen, daß wir nicht in einen weiteren Krieg gedrängt werden können.

Wenn wir zurückschauen, erkennen wir, daß Woodrow Wilson im Jahr 1916 deswegen wiedergewählt wurde, weil er „uns aus dem Krieg herausgehalten hat“ und auf Grund seines implizierten Versprechens, uns auch weiterhin „aus dem Krieg herauszuhalten.“ Nur fünf Monate später forderte er den Kongreß auf, Deutschland den Krieg zu erklären.

Während dieser fünf Monate sind die Menschen nicht gefragt worden, ob sie ihre Meinung geändert haben. Die 4 Millionen jungen Männer, die in Uniformen gesteckt worden und fort marschiert oder fortgefahren sind, wurden nicht gefragt, ob es ihr Wunsch war fortzuziehen, um zu leiden und zu sterben.

Was hat unsere Regierung dann bewogen, ihre Meinung so plötzlich zu ändern?

Geld.

Eine Kommission der Alliierten, und möge sie nicht in Vergessenheit geraten,  kam kurz vor der Kriegserklärung bei ihm vorbei und redete auf den Präsidenten ein. Der Präsident berief eine Gruppe von Beratern ein. Der Kopf der Kommission ergriff das Wort. Er legte seine Diplomatensprache ab, und nun folgt, was er dem Präsidenten und seinen Beratern erzählt hat:

„Es ist zwecklos uns weiterhin etwas vor zu machen. Die Sache der Alliierten ist verloren. Wir schulden Euch (amerikanischen Bankiers, amerikanischen Munitionsherstellern, amerikanischen Fabriken, amerikanischen Spekulanten und amerikanischen Exporteuren) fünf oder sechs Milliarden Dollar.

Wenn wir verlieren (und ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten werden wir verlieren) können wir, England, Frankreich und Italien, dieses Geld nicht zurückzahlen . . . und Deutschland wird es nicht tun.

Also . . . “

Wäre die Geheimhaltung im Falle von Kriegsverhandlungen verboten gewesen, und wäre die Presse zu dieser Konferenz eingeladen gewesen oder hätte das Radio über die Vorgänge berichtet, wäre Amerika niemals in den Weltkrieg eingetreten. Aber diese Konferenz fand unter äußerster Geheimhaltung statt. Als unsere Jungen in den Krieg geschickt worden sind, ist ihnen erzählt worden, daß dieser Krieg „der Welt die Demokratie gewährleisten“ und „er allen Kriegen ein Ende setzen“ würde.

Nun, achtzehn Jahre später ist die Welt weniger demokratisch als damals. Abgesehen davon, was geht es uns an, ob Rußland oder Deutschland oder England oder Frankreich oder Österreich unter Demokratien oder Monarchien leben? Ob sie Faschisten oder Kommunisten sind? Unser Problem besteht darin unsere eigene Demokratie zu bewahren.

Und, wenn überhaupt, ist äußerst wenig unternommen worden, um sicherzustellen, daß der Weltkrieg tatsächlich der Krieg zur Beendigung aller Kriege war.

Ja, wir hatten Abrüstungskonferenzen und Konferenzen zur Waffenbegrenzung. Sie sind bedeutungslos. Die eine ist gescheitert, die andere wurde für nichtig erklärt. Wir entsenden unsere professionellen Heeres- und Marinesoldaten und unsere Politiker und unsere Diplomaten zu diesen Konferenzen. Und was geschieht?

Die professionellen Soldaten aus Heer und Marine wollen nicht abrüsten. Kein Admiral möchte auf Schiffe verzichten. Kein General will ohne Kommando sein. Das würde deren beider Arbeitslosigkeit bedeuten. Sie sind nicht für Abrüstung. Sie können nicht für eine Waffenbegrenzung sein. Und wer, abgesehen von den Allmächtigen, sonst noch im Hintergrund dieser Konferenzen lauert, sind schlicht dieselben, finsteren Agenten derer, die an Kriegen profitieren. Sie sorgen dafür, daß diese Konferenzen weder zu Abrüstung noch zu einer ernsthaften Waffenbegrenzung führen.

Das Hauptziel aller bei diesen Konferenzen anwesenden Mächte bestand nicht darin zur Verhinderung von Kriegen abzurüsten, sondern vielmehr darin, selbst mehr Waffen als all ihre potentiellen Gegner zu erhalten.

Es gibt nur einen möglichen Weg für eine Abrüstung, der das Potential hat umgesetzt werden zu können. Er besteht darin, daß alle Nationen zusammenkommen und jedes Schiff, jede Kanone, jedes Gewehr, jeden Panzer und jedes Kampfflugzeug zu verschrotten. Und selbst das wäre, wenn es denn gelänge, noch nicht genug.

Der nächste Krieg wird, laut Experten, nicht mit Kriegsschiffen, nicht mit Artillerie, nicht mit Gewehren und auch nicht mit Maschinengewehren ausgefochten. Er wird mit tödlichen chemischen Gasen ausgefochten werden.

Insgeheim forschen sämtliche Nationen pauschal an der Entwicklung und Perfektionierung neuerer und grausamerer Methoden zur Vernichtung ihrer Feinde. Ja, Schiffe werden auch in Zukunft gebaut werden, daß die Schiffsreedereien ihre Profite machen müssen. Und Kanonen und Schießpulver werden weiterhin hergestellt, weil die Munitionsfabriken ihre immensen Gewinne machen müssen. Und auch Soldaten werden weiterhin Uniformen tragen müssen, weil auch diese Industrie ihre Kriegsgewinne machen muß.

Jedoch wird die Entscheidung über Sieg oder Niederlage vom Geschick und dem Einfallsreichtum unserer Wissenschaftler abhängen.

Wenn wir sie sie mit der Produktion von Giftgas und noch teuflischeren mechanischen und explosiven Vernichtungswaffen beschäftigen, werden sie keine Zeit für die konstruktive Arbeit zur Steigerung des Wohlstands aller Völker haben. Würden wir sie mit dieser nützlichen Arbeit beauftragen, könnten wir alle mehr Geld am Frieden verdienen, als am Krieg – selbst die Munitionsfabriken.

Deshalb sage ich,

„ZUR HÖLLE MIT DEM KRIEG!“


Quelle: https://ratical.org/ratville/CAH/warisaracket.html

Bilquelle: Wikimedia

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