Pierre Teilhard de Chardins Transhumanismus und der Kult um die 4. industrielle Revolution

 

[Anmerkung: Die Übersetzung dieses zum historischen Verständnis der hier behandelten Thematik grundlegenden Beitrags umfaßt 10 DIN-A4 Seiten. Sie ist hier auch als PDF-Datei verfügbar. :andreas.]


Chardin hat seinen unzweifelhaften Rassismus indes mit dem Glauben an die sich enorm ausbreitende Eugenik gerechtfertigt und den Einsatz der Spitze der Wissenschaft zur Optimierung des menschlichen Genpools gefordert, schreibt Matthew Ehret.

Von Matthew Ehret
Übersetzung©: Andreas Ungerer

26. Oktober 2021, Strategic Culture Foundation
Angesichts des lang erwarteten, bald im Vereinigten Königreich stattfindenden Klima-Gipfels, COP26*, gewinnt man den Eindruck, daß einige der imperialen Denker an der Spitze der Macht eine unheimliche, kultische Ausdrucksweise an den Tag legen, die den kulturellen Ton für das Verfahren vorgibt, das angeblich eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte einleiten und diese tiefgreifend verändern soll. Glanzlichter des Weltwirtschaftsforums wie Yuval Harari*, Klaus Schwab und Ray Kurzweil* halten schwindelerregende Reden über einen bevorstehenden evolutionären Wandel, bei dem die menschliche Gesellschaft mehr als nur menschlich sein wird.

Der angesehene Futurist und leitende Techniker bei Google, Ray Kurzweil, hat dem Moment der Verzweigung einen Namen gegeben: „Die Singularität“. Im Jahr 2005 beschrieb er diesen Moment mit den Worten:

„Unsere biologischen Körper der Version 1.0 sind zugleich gebrechlich und mit einer Vielzahl von Fehlern behaftet… Die Singularität wird es uns ermöglichen diese Beschränkungen unserer biologischen Körper und Gehirne zu überwinden… Die Singularität wird den Höhepunkt der Verschmelzung unseres biologischen Denkens und unserer Existenz mit unserer Technologie darstellen, was zu einer Welt führen wird, die immer noch menschlich ist, aber über unsere biologischen Wurzeln hinausgeht. Nach der Singularität wird es keine Unterschiede zwischen Mensch und Maschine oder zwischen physischer und virtueller Realität mehr geben.“

Kurzweil und Harari haben sogar vorhergesagt, daß das Jahr 2050 der magische Moment sein wird, an dem sich das neue Zeitalter der Vereinigung von Mensch und Maschine stabilisieren wird, da künstliche Intelligenz, das Bio-Engineering von Babys mittels CRISPR-Technologie* und die Verknüpfung unserer Gehirne mit Mikrochips im „Internet der Dinge“ schließlich die Geburt einer neuen Spezies ermöglichen werden.

Im Jahr 2018 sagte Harari in einer Predigt vor dem Weltwirtschaftsforum (WEF):

„Wir gehören wahrscheinlich einer der letzten Generationen des Homo sapiens an. In ein oder zwei Jahrhunderten wird die Erde von Wesen beherrscht werden, die sich von uns mehr unterscheiden als wir von Neandertalern oder Schimpansen. Denn in den kommenden Generationen werden wir lernen, wie man Körper, Gehirne und Köpfe konstruiert. Das werden die Hauptprodukte der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts sein.“

Andere zeitgemäße Genies im heutigen säkularen Pantheon der Halbgötter wie Mark Zuckerberg und Elon Musk haben Milliarden in Unternehmungen wie Neuralink* und Facebooks Pläne für Gehirn-Chip-Schnittstellen gesteckt, um dieses neue Zeitalter voranzutreiben und den Menschen, angesichts von Maschinen, die unsere gebrechliche Spezies mit Sicherheit zu den Dinosauriern schicken werden, „aufrechtzuerhalten“.

Wird Gott in diesen futuristischen Gleichungen eine Rolle spielen?

Mit Sicherheit nicht. Die moderne Evolutionswissenschaft hat erwiesen, daß alles Gerede von Gott, Seele, Sinn und Zweck absurd ist.

Alles, was wir haben, ist Komplexität, Bifurkation (Umwandlung von Zuständen) und die zufällige stochastische Bewegung von Atomen in einer nihilistischen Welt des Zufalls. Glücklicherweise ist in dieser neuen Ära aus der chaotischen Willkür aller vergangenen Epochen schließlich das intelligentes Design entstanden… und die intelligenten Designer finden sich unter Hararis Sponsoren, die solche Machtstrukturen wie Google, Facebook, Microsoft und andere Machtstrukturen kontrollieren und sich in dieser neuen Dystopie an der Spitze der pyramidalen Hierarchie befinden. (1)

Man das Gefühl, daß Harari und seine elitäre Gruppe von Philosophen in Davos, wem immer von ihnen man auch zuhört, die Hohepriester einer neuen synthetischen Religion namens Transhumanismus werden wollen.

Bevor Sie sich dem Gedanken hingeben, daß die „Singularität“ oder der „Transhumanismus“ in jeder Hinsicht neuartige Konzepte sind, die in den Köpfen dieser Koryphäen des Great Reset entstanden sind, seien Sie versichert, daß diese modernen Priester, so mächtig sie auch zu sein scheinen, nicht kreativ sind.

Tatsächlich findet die Essenz von Singularität und Transhumanismus ihren Ursprung in den frühesten Ansätzen von Galtons* Eugenik und Nietzsches zynischer Wiederbelebung der alten Theorien von Gorgias*.

Galton, Darwin und Nietzsche: Der Aufstieg des Kults des Übermenschen

Es war Friedrich Nietzsche, der wie Gorgias Schüler Kallikles* 2000 Jahre zuvor lehrte, daß wir nur dann die schöpferische Energie und Kraft aufbringen können, die wir brauchen, um den Schwachen in einem Überlebenskampf unseren Willen aufzuzwingen, wenn wir uns mutig von der illusorischen Kraft unseres Gewissens trennen. Der neue Mensch, der aus diesem Kampf des „Willens zur Macht“ über die Schwachen und Untauglichen als Sieger hervorgeht, würde zu einer neuen Rasse elitärer Übermenschen werden, fähig die Evolution nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu lenken.

In seinem Essay Eugenics: Its Definition, Scope and Aims (1904) schrieb Galton, daß diese neue Wissenschaft:

„in das Nationalbewußtsein eingeführt werden muß wie eine neue Religion. Sie hat in der Tat starke Ansprüche darauf, ein orthodoxer religiöser Lehrsatz der Zukunft zu werden, denn die Eugenik arbeitet mit den Abläufen der Natur zusammen, indem sie sicherstellt, daß die Menschheit durch die fähigsten Rassen repräsentiert wird…. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, daß die Eugenik zu einem religiösen Dogma der Menschheit wird.“

Der wichtigste Baustein, der sowohl Nietzsches als auch in Glotons Theorien den strukturellen Zusammenhang verleiht, kann in der Arbeit eines Charles Darwin mit dem Titel The Origin of Species aus dem Jahr 1859 gefunden werden. Würden Darwins Theorien, welche die Entstehung neuer Arten erklären, fallen, würde dies auch mit auch sämtlichen Argumenten von Nietzsches und Galtons Anhängern geschehen.

Warum?

Einfach ausgedrückt: Darwins Theorie (die schlicht eine Umgestaltung der zuvor von Thomas Malthus umrissenen Ideen ist) verlangt, daß neue Arten durch Zufall und allmähliche Veränderungen ohne kreative Sprünge entstehen. Das Darwinsche Modell brach mit anderen Theorien, die versuchten, Richtung, Zweck, Harmonie und Vernunft in der Natur zu finden, indem sie zufällige Mutationen aufs Kleinste angeordnet haben.

Diese zufälligen Mutationen glichen Würfeln, die ständig auf einem Roulettetisch geworfen werden und dem „Gewinner“ des evolutionären Würfelspiels gelegentlich die größere Klaue, den schnelleren Sprint oder die schönere Feder bescheren, die er braucht, um den schwächeren, langsameren oder weniger hübschen Konkurrenten im Wettlauf um die Befriedigung unserer Begierden in einer Welt mit abnehmenden Erträgen auszustechen. Da der Zufall das „veraltete“ Konzept der Triebkraft des Deismus ersetzt hat, sind in diesem darwinistischen Universum keine übergreifenden Richtungen mehr zulässig, außer Veränderung und Komplexität ohne jegliche Moral.

Bestimmt entsprach diese Theorie nicht den tatsächlichen aufgezeichneten Daten über Fossilien, die keinerlei kreativen Sprünge oder Zufälligkeiten (und auch keinen gesunden Menschenverstand) enthielten, aber das war nichts, was man mit großem Propagandaaufwand nicht hoffte lösen zu können.

Die Religion war, in der Tat, ein großes Problem, und selbst wenn arroganterweise oft behauptet wird, sämtliche Gegner des Darwinismus seien einfältige, an der wörtlichen Auslegung der Heiligen Schrift festhaltende Kreationisten, ist die Wahrheit doch eine völlig andere. Persönlichkeiten wie James Dwight Dana*, Benjamin Silliman*, Georges Cuvier*, Jean-Baptiste Lamarck* und Karl Ernst von Baer* näherten sich der Evolution alle von einem harmonischen Standpunkt aus (wie fügen sich Teile in ein Ganzes ein, und wie passen die Arten in eine Biosphäre?). Auch befaßten sie sich in unterschiedlichem Maße mit Fragen wie Zweck, Absicht und schöpferischem Wandel.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war der überragende Geist Gottes noch nicht völlig gebrochen, und der kulturelle Optimismus war selbst unter den Wissenschaftlern noch die vorherrschende Kraft. Die Entdeckungen großer Geister wie Max Planck, Dimitrij Mendelejew, Madame Curie, Albert Einstein und zahlloser anderer bestätigten den Glauben, daß das Universum nicht nur vernünftig geordnet ist, sondern daß auch eine tiefe Harmonie innerhalb der menschlichen Spezies und der gesamten Schöpfung besteht. Diejenigen, die in diesem optimistischen kulturellen Umfeld lebten, glaubten, daß es sowohl notwendig als auch möglich sei, den Imperialismus zu beenden und noch vor dem neuen Jahrtausend eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und der Zusammenarbeit zu errichten, die mit der irdischen Stadt Gottes* des heiligen Augustinus vergleichbar wäre.

Solche Wissenschaftler glaubten natürlich nicht nur passiv daran, sondern handelten als lebende Beweise dieses Prinzips, indem sie 1) prinzipielle Entdeckungen machten, 2) diese Entdeckungen mit anderen teilten und 3) diese Entdeckungen in neue Formen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts umgesetzt haben.

Das Ausmaß, mit dem das geschah (und das Ausmaß, in dem die politisch-wirtschaftlichen Systeme dies als Realität bestätigt haben) machte Nietzsches Wissenschaft der Eugenik zu einer unverdaulichen Pille.

Pierre Teilhard de Chardin betritt die Bühne

Im Jahr 1881 in der französischen Auvergne geboren, wurde Pierre Teilhard de Chardin* im Alter von 14 Jahren an einer Jesuitenschule angemeldet, und hat, nachdem der Ordens im Jahr 1901 in Frankreich verboten worden war, seine Studien in England fortgesetzt, wo er unter den Einfluß eines führenden modernistischen Theologen namens George Tyrell* geriet. Die Modernisten waren besessen davon, das Christentum mit der im Zeitalter der Moderne aufkommenden neuen Ethik und Wissenschaft zu versöhnen. Eine der schwierigsten Herausforderungen, der sich die modernistischen Jesuiten innerhalb der Kirche in dieser Epoche gegenübersahen, war die Versöhnung der beiden anscheinend unversöhnbaren Systeme von Christentum und Darwinismus. Während das Christentum die Menschheit als heilig betrachtete, bestritt das mechanistische Universum des Darwinismus die Existent des Göttlichen innerhalb der Menschheit oder des breiteren Universums.

Diese beiden Welten miteinander in Einklang zu bringen, wurde zu Chardins neuer Lebensaufgabe.

Es dauerte nicht lange, bis Chardins Talente erkannt wurden, denn der junge Mann hatte bereits eine Anhängerschaft unter seinen eigenen Klassenkameraden und sogar unter einigen Ordensoberen gewonnen. Nachdem er drei Jahre lang (1905-1908) in Kairo Paläontologie gelehrt hatte, wurde Chardin zu einem Erholungsurlaub ins englische Piltdown zurückgerufen, und siehe da, bei einem kurzen Spaziergang entdeckte Chardin auf einem Feld einen Schädel und Knochenfragmente, die zu den größten Entdeckungen der Geschichte gehören. Es war das Jahr 1912, und der Schädel sowie der Kieferknochen wurden als das lang erwartete „fehlende Glied“ zwischen Affe und Mensch gefeiert, dessen Fehlen die gradualistischen* Darwinisten jahrzehntelang frustriert hatte. In der internationalen Presse wurde die neue Entdeckung als der große Beweis dafür gefeiert, daß Darwin Recht hatte, und schon bald wurde eine Gruppe britischer Archäologen von der Royal Academy damit beauftragt, die Ausgrabungsarbeiten abzuschließen. Obwohl Chardin schnell zu einer Berühmtheit wurde, gab es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft – insbesondere unter Zahnärzten – immer wieder Zweifel. Warum wurden inmitten des Piltdown-Menschen* keine Zähne gefunden? Warum sah der Kieferknochen dem eines Orang-Utans so ähnlich?

Obwohl die Ausgrabungsstätte auffallend ungeschützt war, und Unbeteiligte wochenlang dort herumstöberten, kehrte Chardin bald noch einmal in den Urlaub zurück und stieß auf einen Zahn, den niemand sonst bemerkt hatte. Diese zweite welterschütternde Entdeckung schickte seinen Meteor weiter ins All, und erst Jahre später (im Jahr 1953!) haben Wissenschaftler, welche die Überreste untersuchten, endgültig bewiesen, daß es sich bei dem Kiefer des Piltdown-Menschen in Wirklichkeit um einen Affenkiefer gehandelt hat, dessen Schädel nach seinem Tod kahlrasiert worden war. Der von Chardin gefunden Zahn (der sorgfältig bemalt und, um zu dem Kiefer zu passen, zurecht geschliffen worden war) war der eines Hundes).

Infolge des Ersten Weltkriegs wurde Chardin in China stationiert, wo er die kommenden 20 Jahre seines Lebens verbringen sollte.

Die Wahrheit über Chardins menschenverachtendem Glauben

Seine Theorien über ein neues neodarwinistisches Christentum erfreuten sich unter weiten Kreisen seiner Jesuitenbrüder großer Beliebtheit, lösten jedoch in Rom auch Besorgnis aus, weil sein Werk, das grundlegende Dogmen der Kirche und sogar das Wesen der Gottheit Christi, die Natur der Sünde, die Vergebung und die Messe selbst in Frage stellte, einflußreiche Bischöfe und Kardinäle beunruhigt hat. Das war für die Kirche einfach zu viel, und Chardin wurde bald das Recht entzogen, seine Theorien zu lehren oder zu veröffentlichen, und er wurde angewiesen, sich stattdessen auf die Missionsarbeit zu konzentrieren.

Diese Anweisung hat Chardin, der eine tiefe Antipathie gegenüber den Chinesen und den Armen im Allgemeinen hegte (er hat sich niemals darum bemüht auch nur die Grundlagen der chinesischen Sprache zu lernen, obwohl er gezwungen war dort über 20 Jahre zu leben) empört.

Chardins Rassismus war schon frühzeitig zu erkennen, als er im Jahr 1929 schrieb:

„Haben die Gelben [die Chinesen] den gleichen menschlichen Wert wie die Weißen? [Licent* und viele Missionare sagen, daß ihre derzeitige Minderwertigkeit auf ihre lange Geschichte des Heidentums zurückzuführen ist. Ich befürchte, daß dies nur eine ‚Erklärung der Pastoren‘ ist. Stattdessen scheint die Ursache in der natürlichen rassischen Grundlage zu liegen…Die christliche Liebe überwindet alle Ungleichheiten, aber leugnet diese nicht.“

In einem weiteren Brief aus dem Jahr 1936 unterstreicht Chardin sowohl seinen Haß auf die Gleichheit der Rassen als auch auf den Nationalismus, die er beide durch eine neue Religion der Wissenschaft ersetzt wissen wollte:

„Die philosophische oder ‚übernatürliche‘ Einheit der menschlichen Natur hat, was ihre physischen Fähigkeiten zum Aufbau der Welt beizutragen betrifft, nichts mit der Gleichheit der Rassen zu tun…. Da nicht alle ethnischen Gruppen den gleichen Wert haben, müssen sie beherrscht werden, was nicht bedeutet, daß sie verachtet werden müssen – ganz im Gegenteil… Mit anderen Worten sollte sie gleichzeitig eine offizielle Anerkennung geben: (1) den Vorrang der Erde vor den Nationen; (2) die Ungleichheit der Völker und Rassen. Der zweite Punkt wird gegenwärtig vom Kommunismus … und der Kirche verachtet, und der erste Punkt wird in ähnlicher Weise von den faschistischen Systemen (und natürlich von weniger begabten Völkern!) verschmäht.“

Der Piltdown-Mensch Schwindel 2.0

Während er den Kontakt mit den Chinesen so weit wie möglich vermied, war Chardin zwischen 1923 und 1945 in ganz China, Tibet, Xinjiang, Birma und sogar in den USA unterwegs. Irgendwann verbrachte Chardin einige Monate in Peking, wo er sich einer von der Rockefeller-Stiftung finanzierten Expedition anschloß, die im Jahr1926 ein weiteres fehlendes Glied entdeckte. Der innerhalb der Wissenschaftsgemeinde bereits aufgekommene Verdacht einer Fälschung bei dem zuvor entdeckten Piltdown-Menschen hielt Chardin jedoch nicht davon ab mehrere wissenschaftliche Abhandlungen über seinen neuen Fund zu veröffentlichen, womit er für weltweites Aufsehen sorgte.

Schließlich wurde die fehlende Verbindung zwischen Affe und Mensch tatsächlich entdeckt, und Darwins Theorie konnte als erwiesen erachtet werden! Und sie erhielt einen Namen: der Peking-Mensch*.

Leider wurden alle, die diese Behauptungen beurteilen wollten, bitter enttäuscht, da die Hunderte Knochenfragmente flugs in einer Kiste verpackt worden sind, um sie für weitere Untersuchungen in die Vereinigten Staaten zu bringen, wobei sie mysteriöserweise verlorengegangen sind, ohne je wiedergefunden zu werden. Seltsamerweise schien Chardin diesen Verlust nicht zu bereuen und unternahm keinerlei Versuche den geschätzten Fund aufzuspüren. Seinen Freunden hat er schlicht erklärt, daß es keinen Grund gebe, Tränen über vergossene Milch zu vergießen, und daß nun jedermann sein Leben mit dem erneuerten Glauben daran fortsetzen könne, daß der Darwinismus als Essenz des Christentums akzeptiert werden muß.

Zur Demonstration der unerschütterlichen Stärke dieses Piltdown-Schwindels behandeln Wissenschaftler ihn als vollendendete Tatsache und benutzen ihn bis zum heutigen Tag als Rechtfertigung für die verschwundenen Knochen.

Die Erschaffung einer neuen Religion

Wer daran zweifelt, daß Chardin sich selbst als neuer Moses sah, der einen totalen Aufstand gegen das Christentum führte, lese einfach seinen Brief an einen Freund aus dem Jahr 1936:

„Was mein Interesse zunehmende beherrscht, ist das Bestreben, in mir selbst eine neue Religion (nennen wir sie ein verbessertes Christentum, wenn Du willst) zu etablieren und um mich herum zu verbreiten, deren persönlicher Gott nicht mehr der große neolithische Landbesitzer vergangener Zeiten ist, sondern die Seele der Welt.“

In einem vom 21. März 1941 datierten Brief schrieb er:

„Ich kann nicht gegen das Christentum kämpfen, ich kann nur innerhalb des Christentums arbeiten, indem ich versuche, es zu verändern und zu bekehren. Eine revolutionäre Haltung wäre viel einfacher und viel angenehmer, aber sie wäre selbstmörderisch. Ich muß also beharrlich, Schritt für Schritt vorgehen.“

Während sich viele von Konzepten wie das „einer Seele der Welt“ und „eines persönlicher Gottes“ angezogen fühlen, lohnt es sich zu hinterfragen, welche Art neuer Religion und Gott Chardin erschaffen hat.

Zunächst hat Chardins neues darwinistisches Christentum erklärt, die problematische Zufallsfunktion, die Darwins ursprünglichem, richtungslosem System innewohnt, zu beschönigen, indem es eine Form von Ausrichtung einführt… aber keine, die mit der Idee von Moral, Zweck oder „besser/schlechter“ belastet ist. Stattdessen sollte Chardins Ausrichung an einen zukünftigen „Omega-Punkt“ gebunden sein, an dem sich die Menschheit irgendwie in einen neuen evolutionären Organismus aufspalten würde, ähnlich der Ray Kurzweils derzeit in Mode befindlichen Idee von der „Singularität“.

In Chardins System treibt dieser zukünftige Omega-Punkt die zunehmende Komplexität im Laufe der Zeit ergebnisorientiert an, wobei das gesamte Universum in vier Phasen unterteilt ist: 1) die Erschaffung des Universums durch den Urknall (Kosmogenese), 2) die Entstehung des Lebens (Biogenese), 3) die Entstehung der Kognition (Homogenese) und 4) die geistige Konvergenz der Menschheit (Christogenese). Die dritte Phase wurde von Chardin auch als das Zeitalter der Noosphäre* bezeichnet, während die vierte Phase den Omega-Punkt darstellt. Chardins Noosphäre unterscheidet sich deutlich von der Noosphäre des brillanten russischen Akademikers Wladimir Wernadski (1863-1945, der in seinem eigenen parallelen Kampf gegen den Versuch der Mechanisten*, die Seele der russischen Wissenschaft zu zerstören, gefangen war, was ein künftiger Beitrag thematisieren wird.

Jenseits von Gut und Böse

Als Ersatz für das Konzept eines moralischen Wandels (laut einem universellen Standard von richtig vs. falsch, ein Wandel zum Besseren oder Schlechteren) führt Chardin die Idee der „quantitativen Komplexität*“ ein. Tatsächlich werden in seinem neodarwinistischen System selbst Untaten zu reinen, jedes moralischen Urteils entbehrenden Naturereignissen.

In seinem Werk Comment je vois les Choses (Wie ich die Dinge sehe) schreibt Chardin:

„In unserer modernen Ansicht eines Universums, das sich in einem Prozeß der Kosmogenese befindet, existiert das Problem des Bösen nicht mehr“.

Die Ereignisse sind:

„im Wesentlichen dem Spiel der Wahrscheinlichkeiten des Zufalls in seinen Arrangements unterworfen … es ist absolut unmöglich, zur Einheit zu gelangen, ohne wegen der statistischen Notwendigkeit hier oder dort [das Böse] hervorzubringen.“

Das tatsächliche Blutvergießen, der Krieg und das Böse auf der Erde waren nur notwendige Ereignisse auf dem Weg zu einem Leben, welches von diesem wunderschönen Omega-Punkt beherrscht wird, durch den sich die Menschheit zu einer transhumanistischen Art liebevoller Cyborgs entwickelt. Der ehemalige Jesuit und Historiker Malachi Martin* schrieb:

„Teilhard war nicht übermäßig schockiert vom Blutvergießen, betrachtete Gewalt als eine notwendige Begleiterscheinung der Evolution und schien den Krieg – oder was er davon zu sehen bekam – zu genießen. Der Tod, ob blutig oder nicht, war das, was er als ‚Mutation‘ bezeichnet hat.“

Da das Böse in Chardins System nicht existierte (Statistiken und Komplexität sind die simple Auswirkung von darwinistischen Kräften im Kampf ums Überleben), hielt ihn nichts davon ab, die Tugenden der rassisch ausgerichteten Eugenik in einem geschlossenen System mit begrenzten Ressourcen zu preisen. In Human Energy schrieb er:

„Welche grundsätzliche Haltung … sollte der fortschreitende Flügel der Menschheit Gefallen an starren oder definitiv nicht fortschrittlichen ethnischen Gruppen finden? Die Erde besteht aus einer geschlossenen und begrenzten Fläche. Inwieweit sollte sie, rassisch oder national, Gebiete mit geringerer Aktivität tolerieren? Noch allgemeiner gefragt: Wie sollen wir die Anstrengungen beurteilen, die wir in allen möglichen Krankenhäusern aufwenden, um das zu retten, was so oft nur ein Abfallprodukt des Lebens ist?…Inwieweit sollte nicht die Entwicklung der Starken…Vorrang vor der Erhaltung der Schwachen haben?“

Das sind die puren Ansichten von Nietzsche, Galton und Malthus (Letzterer trug ebenfalls den Priesterrock).

Die Akzeptanz der Eugenik

Chardin hat seinen unzweifelhaften Rassismus indes mit dem Glauben an die sich enorm ausbreitende Eugenik gerechtfertigt und den Einsatz der Spitze der Wissenschaft zur Optimierung des menschlichen Genpools gefordert:

„Aus einem Komplex unerfindlicher Gründe betrachtet unsere Generation alle Bemühungen, die von der Wissenschaft vorgeschlagen werden, um die Maschinerie der Vererbung, der Geschlechtsbestimmung und der Entwicklung des Nervensystems zu kontrollieren, immer noch mit Mißtrauen. Es ist, als ob der Mensch das Recht und die Macht besäße, in alle Kanäle der Welt einzugreifen, außer in die, die ihn selbst ausmachen. Und doch ist es gerade dieser Grund, der uns zwingt, alles bis zu seinem Ende zu versuchen.“

Im Jahr 1951 hat Chardin seine Forderung nach einer wissenschaftlich und religiös fundierten Eugenik erneuert:

„Bisher haben wir die Entwicklung unserer Rasse sicherlich dem Zufall überlassen, und wir haben zu wenig darüber nachgedacht, welche medizinischen und moralischen Faktoren an die Stelle der rohen Kräfte der natürlichen Auslese treten müssen, wenn wir sie unterdrücken. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte ist es unabdingbar, daß eine edle, humane Form der Eugenik, die unserer Persönlichkeit würdig ist, entdeckt und entwickelt wird. Die auf den Einzelnen angewandte Eugenik führt zu einer auf die Gesellschaft angewandten Eugenik.“

Chardins Omega-Punkt erhält hier eine immer größere Bedeutung, da durch ihn die Maskerade des „Christus-Bewusstseins“ und der „globalen Liebe“ dem süßen Furnier ihrer Botschaft entrissen und nun der absolut misanthropische*, eugenische Fanatismus eines Hohepriesters in einer dystopischen wissenschaftlichen Diktatur sichtbar wird. Auch Chardins enge Freundschaft mit dem Begründer des Transhumanismus (und führenden Eugeniker) Sir Julian Huxley* erhält hier eine neue Bedeutung.

Julian und Pierre: Hohepriester des Transhumanismus

Als Zeichen seiner Bewunderung für Huxley schrieb er im Jahr 1941 an einen Freund:

„Ich arbeite weiter an einer besseren, klareren und prägnanteren Darstellung meiner Ideen über den Platz der Menschheit im Universum. Julian Huxley hat soeben ein Buch oder vielmehr eine Reihe von Aufsätzen mit dem Titel „The Uniqueness of Man“ (Die Einzigartigkeit des Menschen) herausgegeben, die so sehr mit meinen eigenen Ideen übereinstimmen (wenn auch ohne den Begriff Gott in die Reihe zu integrieren), daß ich mich sehr ermutigt fühle.“

Es ist nicht paradox, daß der radikale Atheist Huxley und der jesuitische Priester Chardin sich im Geist der Verwandtschaft gefunden haben.

Julian hatte jahrzehntelang hart daran gearbeitet, die Arbeit seines Großvaters* zu retten, indem er Darwin zusammen mit H.G. Wells* und J.B.S. Haldane* unter einem neuen System namens „The New Evolutionary Synthesis“ (beschrieben in Huxleys von Chardin oben zitiertem „Uniqueness of Man„) neu verpackt hat. Diese „Neue Synthese“ war im Wesentlichen identisch mit Chardins These, jedoch ohne den Anspruch, mit der biblischen Schrift zu harmonieren.

Chardin war nicht nur von der Bewunderung für Julian, sondern von dem gesamten Huxley-Clan so bewegt, daß er im Jahr 1949 sein Werk Man’s Place in Nature als Hommage an Thomas HuxleysMan’s Place in Nature and Other Anthropological Essays von 1904 verfaßt hat. Julian wiederum war von Chardins These so ergriffen, daß er die Einleitung zu dessen berühmter Abhandlung The Phenomenon of Man geschrieben hat.

In seinem Werk Future of Man schrieb Chardin, daß sein Omega-Punkt „unseren Übergang durch Übersetzung oder Entmaterialisierung in eine andere Sphäre des Universums darstellt: nicht ein Ende des höchst-Menschlichen, sondern seinen Eintritt in eine Art trans-Menschliches im letzten Kern der Dinge“.

Julian Huxley huldigte Chardins Peking-Mensch-Schwindel, als er im Jahr 1957 in seinem Buch New Bottles for New Wine seine gleichlautenden Ansichten zum Transhumanismus erörterte:

„Ich glaube an den Transhumanismus: Wenn es erst einmal genug Menschen gibt, die das wirklich sagen können, wird die menschliche Spezies an der Schwelle zu einer neuen Art ihrer Existenz stehen, die sich von der unseren so sehr unterscheidet wie die des Peking-Menschen. Sie wird dann endlich ihre wahre Bestimmung bewußt erfüllen.“

An dieser Stelle sei daran erinnert, daß Julian nicht nur ein Kommentator im Elfenbeinturm, sondern ein äußerst aktiver, grandioser Stratege war, der als Präsident der British Eugenics Society fungiert, die ersten Umweltorganisationen der Welt gegründet (die International Union for the Conservation of Nature (IUCN) sowie ihren Ableger, den World Wildlife Fund) und im Jahr 1946 auch die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ins Leben gerufen hat. In seinem Manifest für die UNESCO hatte Huxley ausdrücklich dazu aufgerufen, die Eugenik als wichtigste aller Wissenschaften wiederzubeleben und die Menschheit zur Akzeptanz einer Weltregierung zu bewegen.

Die Kybernetik (die Wissenschaft von der Kontrolle mittels binärer Datenverarbeitung und Maschinen als Modelle für den menschlichen Geist und die Gesellschaft als Ganzes) entstand im Jahr 1945. Chardin schloß sich dieser Strömung umgehend mit dem Enthusiasmus eines religiösen Sektenführers an und forderte sogar, lange bevor dies in Mode kam, eine Verschmelzung der Menschheit mit Maschinen. In seinem Werk Future of Man stellt Chardin die rhetorische Frage:

„Wie kann man übersehen, daß die Maschine eine konstruktive Rolle bei der Schaffung eines wahrhaft kollektiven Bewußtseins spielt… Ich denke dabei natürlich in erster Linie an das außergewöhnliche Netz der Radio- und Fernsehkommunikation, das … uns alle bereits in einer Art „veräthertem“ universellem Bewusstsein verbindet. Aber ich denke auch an… diese erstaunlichen elektronischen Computer, die, im Rhythmus von Hunderttausenden Signalen pro Sekunde pulsierend, nicht nur unsere Gehirne von mühsamer und anstrengender Arbeit befreien, sondern, weil sie die wesentliche (und zu wenig beachtete) „Geschwindigkeit des Denkens“ erhöhen, auch den Weg für eine Revolution im Bereich der Forschung ebnen… all diese materiellen Instrumente… sind schließlich nichts weniger als die Manifestation einer Art Super-Gehirn, das fähig ist, die Herrschaft über eine Super-Sphäre im Universum zu erlangen.“

Gegen Ende seines Lebens fragte ihn ein Freund, wie er darüber denkt, daß die Kirche seine Arbeiten nach wie vor von der Veröffentlichung ausschließt. Er antwortete mit den Worten:

„Ich habe mittlerweile so viele Freunde in hohen strategischen Positionen, daß ich keine Angst vor der Zukunft habe. Ich habe das Spiel gewonnen.“

Als er im Jahr 1955 verstarb, sind seine Werke vom Vatikan immer noch weitgehend als häretisch verbannt worden. Seine Arbeit verbreitete sich weiter als eine Art Samisdat* aus der Sowjetzeit und bewarb immer mehr Konvertiten für sein besonderes „neues und verbessertes Christentum“. Die Logik, mit der Chardins Anhänger diese neue kybernetische Art der Religion gegen die dogmatischen Traditionalisten des Vatikans verteidigten, lautete: Da sich die Zeiten ändern, muß sich auch die Religion ändern. Die Welt des Nationalstaates, des industriellen Wachstums und des Individualismus war eine Sache einer überholten konservativen Ära. Die post-nationalstaatliche Welt des kollektiven planetarischen Bewußtseins war angebrochen, und die Gesellschaft bewegte sich auf einen mystischen Omega-Punkt zu. Dieser Glaube beinhaltete, daß sich das Christentum mit der Zeit weiterentwickeln mußte, wie jedes Lebewesen, das in einem darwinistischen Überlebenskampf nicht aussterben will.

In den folgenden Jahrzehnten spielten die Anhänger von Chardin eine wichtige Rolle bei der Dezentralisierung und Liberalisierung der Kirche in Form des Zweiten Vatikanischen Konzils, das im Jahr 1962 von Papst Johannes XXIII. ins Leben gerufen worden ist. Dieselben Netzwerke, die sich auf Lateinamerika konzentrierten, entwickelten eine neue Form der Lehre, die sich „Befreiungstheologie“ nannte und der Logik folgte, daß der Marxismus der reinste Ausdruck der Botschaft Christi sei, und daß alle wahren Christen verpflichtet seien, La Revolución gegen den Kapitalismus in den dunklen Tagen des Kalten Krieges auf der ganzen Welt zu unterstützen. Auf die Frage, was gegen die Stagnation der katholische Kirche getan werden sollte, rief Chardin zu dieser neuen revolutionären marxistischen Fusion auf, indem er sagte:

„Ein redliches Eintauchen in den Marxismus könnte die Dinge wieder in Bewegung bringen.“

Während die Päpste Johannes Paul I und II versucht haben diesen Abbau des Christentums zurückzudrängen, hat ein Gifthauch und einige Kugeln von Attentätern den Heiligen Stuhl schnell wieder auf Linie gebracht, da die Bühne für die vollständige Übernahme der Kirche durch die Jesuiten und die Integration des Christentums in eine neue, eugenische Religion schon bereitet war.

Diese Themen werden in künftigen Beiträgen weiter entpackt.

Anmerkung:

(1) Harari setzte seinen im Jahr 2018 gehaltenen Vortrag mit den Worten fort:

“Vier Milliarden Jahre lang hat sich an den grundlegenden Spielregeln des Lebens nichts Grundlegendes geändert. Alles Leben unterlag den Gesetzen der natürlichen Auslese und den Gesetzen der organischen Biochemie. Doch das wird sich jetzt ändern. Die Wissenschaft ersetzt die Evolution durch natürliche Auslese durch die Evolution des intelligenten Designs. Dabei handelt es sich nicht um einen intelligenten Entwurf von einem Gott über den Wolken, sondern um unser intelligentes Design, und das intelligente Design unserer Wolken. Die IBM-Cloud, die Microsoft-Cloud. Das sind die neuen Triebkräfte der Evolution.”

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Matthew Ehret ist Chefredakteur der Canadian Patriot Review , und Senior Fellow an der American University in Moscow. Er ist Autor der Buchserie ‘Untold History of Canada’ book series und von Clash of the Two Americas. Im Jahr 2019 hat er die in Montreal ansässige Rising Tide Foundation mitgegründet.

Quelle: https://www.strategic-culture.org/. . .

Alle mit einem * gekennzeichneten Links wurden zusätzlich eingefügt.

Zuletzt editiert: 31. Oktober 2021, 13:00 Uhr

Titelbild: Abode of Chaos

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2 Antworten zu “Pierre Teilhard de Chardins Transhumanismus und der Kult um die 4. industrielle Revolution”

    1. Wie passend zu Thema!

      Daran kannst Du den Unterschied zwischen einer rein oder weitgehend maschinellen und einer Übersetzung erkennen, an der ein menschliches Hirn gearbeitet hat. シ

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