Die Gefahren für Schulrückkehrer nach einem Jahr der COVID-19 Lockdowns

Von John W. Whitehead & Nisha Whitehead
Übersetzung©: Andreas Ungerer

„Quer durch die Gemeinden der Vereinigten Staaten verbringen Kinder und Heranwachsende die meiste ihrer schlaffreien Zeit in Schulen, die zunehmend Gefängnissen anstatt Bildungseinrichtungen ähneln.“ ~ Investigativjournalistin Annette Fuentes

23. August 2021, The Rutherford Institute
Einst haben Amerikas Eltern erleichtert aufgeatmet, wenn ihre Kinder nach den Sommerferien wieder in die Schule gingen, denn sie wußten, daß ihre Kinder dann einen Großteil des Tages gefahr- und problemlos beschäftigt sein würden.

Das waren die guten alten Zeiten, bevor die COVID-19-Pandemie eine ganz neue Ebene des autoritären Betreuungs-Staates in unser tägliches Leben eingeführt hat, indem sie Gemeinden abriegelte, Kinder aus dem Klassenzimmer in virtuelle Klassenzimmer zwang, große Teile der arbeitenden Bevölkerung von staatlichen Zuschüssen abhängig machte, während andere Teile in ein Modell des Homeoffice gedrängt und wir alle einer zunehmend unerträglichen Einmischung der Regierung in unser Privatleben ausgesetzt worden sind.

Nun, nach fast eineinhalb Jahren Abwesenheit von physischen Klassenräumen, gehen die Schüler wieder zum Unterricht.

Und Folgendes können sie erwarten:

Von dem Augenblick in dem ein Kind eine der 98.000 öffentlichen Schulen unserer Nation betritt bis zu dem Moment in dem er oder sie seinen Abschluß macht, ist es fortlaufend folgenden Umständen ausgesetzt:

  • einer drakonischen Null-Toleranz-Politik, die kindliches Verhalten kriminalisiert,
  • überzogenen Anti-Mobbing-Gesetzen, welche die Redefreiheit kriminalisieren,
  • Schulpolizisten, die den Auftrag haben „unordentliche“ Schüler zu disziplinieren oder unter Arrest zu stellen,
  • standardisierten Tests, die auswendig gelernte Antworten über kritischen Denken stellen,
  • politisch korrekten Denkweisen, die junge Menschen lehren sich selbst und ihr Umfeld zu zensieren,
  • einem umfangreichen biometrischen Überwachungssystem, das, im Zusammenspiel mit den weiteren Gegebenheiten, junge Menschen an eine Welt gewöhnen, in der für sie weder Meinungs- noch Rede- oder Bewegungsfreiheit existieren.

Junge Amerikaner werden jetzt als erste durchsucht, überwacht, ausspioniert, bedroht, gefesselt, eingesperrt, für angemessenes Verhalten wie Kriminelle behandelt, getasert und in einigen Fällen sogar erschossen.

Heutzutage werden Schüler nicht nur für kleinere Vergehen wie Räuber und Gendarm-Spiele auf Spielplätzen, dem Mitbringen von LEGO-Steinen zur Schule  oder einer Essensschlacht bestraft, sondern auch die Strafen sind weitaus härter geworden und reichen von Nachsitzen und Besuchen im Büro des Schuldirektors bis hin zu Geldstrafen, Jugendgerichten, Handschellen, Tasern und sogar Gefängnisstrafen.

Schüler sind bereits im Rahmen der Null-Toleranz-Politik von der Schule geflogen, weil sie „drogenähnlich aussehende Substanzen“ wie Oregano*+, Pfefferminzbonbons, Antibabypillen und Puderzucker mit in die Schule gebracht hatten.

Die Benutzung waffenähnlicher Gegenstände (wie Spielzeugpistolen – und sogar aus LEGO-Steinen gebastelte Pistolen, von Hand skizzierte Waffen, das „bedrohlich aussehende“ Herumwirbeln von Stiften, imaginäre Pfeile und Bögen und das symbolische Formen der Finger zu einer Pistole) kann für Schüler ebenfalls brenzlig werden und in manchen Fällen zum Schulausschluß oder zu Strafanzeigen führen.

Nicht einmal gute Taten bleiben unbestraft.

So mußte ein 13-Jähriger nachsitzen, weil er sein Mittagessen mit einem hungrigen Freund geteilt und damit der Schule ein „Haftungsproblem“ bereitet hat. Eine Drittkläßlerin wurde vom Unterricht suspendiert, weil sie sich aus Anteilnahme für eine Freundin, die wegen einer Chemotherapie ihr Haar verloren hatte, den Kopf rasiert hat. Und dann war da noch der Oberstufenschüler, der ausgeschlossen wurde, weil er „Gott segne dich“ gesagt hatte, nachdem ein Mitschüler geniest hatte.

In South Carolina, wo es gesetzwidrig ist, in der Schule zu „stören“, werden jedes Jahr mehr als tausend Schüler – von denen manche erst 7 Jahre alt sind – „wegen Nichtbefolgens von Anweisungen, Herumlungerns, Fluchens oder der vagen Behauptung, sich „unausstehlich“ verhalten zu haben, angeklagt. Wenn sie als Erwachsene angeklagt werden, können sie für bis zu 90 Tage ins Gefängnis kommen“.

Diese unerhörten Vorfälle sind genau das, was sich jetzt, wo die Schule wieder beginnt, vermehrt häuft, vor allem, wenn man die COVID-19-Verordnungen dazu nimmt.

Die Aufsichtsbeamten (der Polizei) an Schulen verstärken diese Bedrohung nur.

Dank einer Kombination aus Medienrummel, politischer Zuhälterei und finanziellen Anreizen hat der Einsatz bewaffneter Polizeibeamter (auch bekannt als School Resource Officers) zur Überwachung von Schulfluren in den Jahren nach dem Amoklauf in Columbine* drastisch zugenommen.

In der Tat führt die zunehmende Polizeipräsenz in den Schulen des Landes zu einer stärkeren Einbindung der Polizei „in routinemäßige Disziplinarangelegenheiten, die Schulleiter und Eltern früher ohne Beteiligung von Strafverfolgungsbeamten geregelt haben“.

Diese vom US-Justizministerium finanzierten School Resource Officers (SRO) sind de facto zu Aufsehern in Grund-, Mittel- und Oberschulen geworden, die mit Hilfe von Tasern, Pfefferspray, Schlagstöcken und roher Gewalt ihre eigene Art von Gerechtigkeit gegenüber den so genannten „Kriminellen“ im Zentrum ihres Aufgabenbereiches üben.

In Ermangelung geeigneter Richtlinien für die Schule schreitet die Polizei immer häufiger ein, um „kleinere Regelverstöße zu ahnden: herunterhängende Hosen, respektlose Bemerkungen, kurze körperliche Auseinandersetzungen. Was früher vielleicht ein Nachsitzen oder einen Besuch im Büro des Schulleiters zur Folge hatte, wurde durch qualvolle Schmerzen und vorübergehende Blindheit ersetzt, oft gefolgt von einer Fahrt zum Justizgebäude.“

Die Horrorgeschichten sind zahlreich.

Ein SRO ist wegen Schlägen ins Gesicht eines 13-jährigen Schülers, der die Hausordnung der Cafeteria übertreten hatte, beschuldigt worden.

Derselbe Bulle hat in der Woche darauf einen anderen Schüler in einen Würgegriff genommen und ihn angeblich bewußtlos geschlagen, wovon jener eine Gehirnverletzung davongetragen haben soll.

In Pennsylvania ist  ein Schüler getasert worden, nachdem dieser eine Aufforderung, sein Mobiltelefon wegzulegen, ignoriert hatte.

Nachdem der 13 Jahre alte Kevens Jean Baptiste die Aufforderung eines Schulbusfahrers, das Busfenster geschlossen zu halten, nicht befolgt hatte (Keven leidet unter Asthma und hatte das Fenster geöffnet, nachdem ein Mitschüler Parfüm versprüht hatte, was bei ihm einen Keuchhustenanfall auslöste), wurden ihm von der Polizei in Handschellen angelegt und, nachdem er aus dem Bus gebracht worden war, während er noch gefesselt war, von einem Beamten die Beine unter dem Körper weggezogen, so daß er zu Boden stürzte.

Der junge Alex Stone hatte noch nicht einmal die erste Schulwoche hinter sich gebracht, als er Opfer des Polizeistaats wurde. Auf Anweisung seines Lehrers schrieb Stone im Rahmen einer kreativen Schreibaufgabe eine Reihe von fiktiven Facebook-Meldungen: „Ich habe den Dinosaurier meines Nachbarn getötet. Ich habe die Waffe gekauft, um die Sache zu erledigen“. Trotz des Umstands, daß Dinosaurier ausgestorben sind, der Sachverhalt frei erfunden war, und der Schüler aus South Carolina lediglich Aufgaben befolgte, meldete ihn sein Lehrer bei der Schulverwaltung, welche wiederum die Polizei rief.

Was dann passierte ist beispielhaft für den heutigen Schulalltag: Die Schüler wurden in ihren Klassenräumen eingeschlossen, während bewaffnete Polizisten den Spind und die Schultasche des 16-Jährigen durchsuchten, ihm Handschellen anlegten, ihn der  Störung der Schulordnung beschuldigten, festnahmen, inhaftierten, und er anschließend von der Schule suspendiert worden ist.

Nicht einmal den jüngeren Grundschülern bleiben diese „Abhärtungs-Strategien“ erspart.

An jedem beliebigen Schultag werden Kinder, die sich in der Klasse „aufführen“, mit dem Gesicht nach unten zu Boden gedrückt, in dunkle Schränke gesperrt, mit Riemen, Bungee-Seilen und Klebeband gefesselt, mit Handschellen, Fußfesseln, Tasern oder auf andere Weise zurückgehalten, ruhiggestellt oder in Einzelhaft gesteckt, um sie „unter Kontrolle“ zu bringen.

In beinahe allen Fällen werden diese rüden Methoden zur Bestrafung von Kindern – von denen einige gerade einmal 4 oder 5 Jahre alt sind – angewandt, schlicht weil sie Anordnungen nicht befolgt oder einen Wutanfall hatten.

Nur äußerst selten stellen diese Kinder eine echte Gefahr für sich selbst oder andere dar.

Unglaublicherweise sind all diese Vorgehensweisen legal, zumindest wenn sie von Schulbediensteten oder School Rescue Officers in den öffentlichen Schulen des Landes eingesetzt werden.

Dies ist, was passiert, wenn man der Polizei und ihren Vorgehensweisen den Zugriff auf die Schulen gewährt.

Paradoxerweise ist es, wenn man die Abriegelungen und Übungen mit aktiven Scharfschützen hinzurechnet, den Schulbehörden, anstatt die Schulen sicherer zu machen, gelungen, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Kinder dermaßen traumatisiert sind*, daß sie unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Alpträumen, Angstzuständen, Mißtrauen gegenüber Erwachsenen sowie Wutgefühlen, Depression, Demütigung, Verzweiflung und Wahnvorstellungen leiden.

So wurde beispielsweise eine Mittelschule im Bundesstaat Washington geschlossen, nachdem ein Schüler eine Spielzeugpistole in den Unterricht mitgebracht hatte. Eine High School in Boston wurde für vier Stunden geschlossen, nachdem eine Kugel in einem Klassenzimmer entdeckt worden war. Eine Grundschule in North Carolina schloß ihre Türen und rief die Polizei, nachdem ein Fünftklässler berichtet hatte, einen unbekannten Mann in der Schule gesehen zu haben (es stellte sich heraus, daß es der Vater einer der Schüler war).

Polizeibeamte einer Mittelschule in Florida haben eine Übung mit aktiven Scharfschützen durchgeführt, um die Schüler für den Fall eines tatsächlichen Amoklaufs vorzubereiten. Zwei bewaffnete Beamte stürmten mit geladenen und gezogenen Waffen in die Klassenräume und terrorisierten die Schüler, womit sie die vorübergehende Schließung der Schule verursacht haben.

Diese Vorgehensweisen des Polizeistaats haben die Schulen kein bißchen sicherer gemacht.

Die Folgen waren absehbar: Die jungen Leute unserer Nation wurden wie Schwerverbrecher behandelt, in Handschellen abgeführt, verhaftet, getasert, angegriffen und ihnen wurde die schmerzhafte Lektion erteilt, daß die Verfassung (insbesondere der vierte Verfassungszusatz*) im amerikanischen Polizeistaat nicht viel bedeutet.

Leider behaupten die Befürworter solch harter Polizeipraktiken und Waffen gerne, dass die Sicherheit an Schulen höchst Priorität haben sollte, damit es nicht zu weiteren Schießereien Schule kommt. Was sie nicht sagen, ist, daß sich solche Schießereien nur selten ereignen.

Wie aus einem Kongreßbericht hervorgeht, sind Schulen, generell gesprochen, sichere Orte für Kinder*.

Die praktischen Lehren, die in den Schulen über die Rolle der Polizei in unserem Leben erteilt werden, lassen sich nicht vermeiden. Sie reichen von aktiven Schießübungen und Schließungen ganzer Schulen bis hin zu Vorfällen, bei denen Kinder, die ein typisch kindliches Verhalten an den Tag legen, suspendiert werden (weil sie einen imaginären „Pfeil“ auf einen Mitschüler schießen), in Handschellen gelegt werden (weil sie den Unterricht stören), verhaftet werden (weil sie im Rahmen eines Schülerstreichs Wasserballons werfen) und sogar getasert werden (weil sie Anweisungen nicht befolgen).

Anstatt eine Generation von Freiheitskämpfer zu erziehen – was man als Ziel der Schulausbildung erhoffen sollte – scheinen Regierungsbeamte entschlossen zu sein, frischgebackene Bürger des amerikanischen Polizeistaats hervorzubringen, denen auf harte Weise beigebracht wird, was es bedeutet, sich dem Diktat der Regierung zu unterwerfen, sich zu fürchten und im Gleichschritt mit ihm zu marschieren.

Was also ist die Antwort, nicht nur für die heutige Zeit – in der Kinder in diesen quasi-Gefängnissen aufwachsen –, sondern für die Zukunft dieses Landes?

Wie überzeugt man ein Kind, das – bevor es das Erwachsenenalter wirklich erreicht hat – von Regierungsbeamten routinemäßig in Handschellen gelegt, gefesselt, eingesperrt und ruhiggestellt wurde, davon, daß es überhaupt Rechte hat, geschweige denn das Recht, Unrecht anzufechten, sich der Unterdrückung zu widersetzen und sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren?

Und vor allem: Wie kann man einen amerikanischen Mitbürger davon überzeugen, daß die Regierung für ihn arbeitet, wenn er die meiste Zeit seiner Kindheit und Jugend in einer Einrichtung eingesperrt war, die jungen Menschen beibringt, gehorsame und gefügige Bürger zu sein, die nicht widersprechen, keine Fragen stellen und die Autorität der Regierung nicht in Frage stellen?

Wie wir bei anderen Themen gesehen haben, müssen alle bedeutenden Reformen auf lokaler Ebene beginnen und sich nach oben fortsetzen.

Zu allererst müssen die Eltern lautstark, sichtbar und organisiert sein und von den Schulbehörden verlangen, daß sie 1) bei der Behandlung von Verhaltensproblemen eine Politik der positiven Verstärkung verfolgen, 2) die Anwesenheit von Polizeibeamten in den Schulen auf ein Minimum reduzieren und sie nicht mehr in die Disziplinierung der Schüler einbeziehen und 3) darauf bestehen, daß alle Verhaltensprobleme in erster Linie mit den Eltern des Kindes besprochen werden, bevor andere disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden.

Wie ich in meinem Buch Battlefield America: The War on the American People verdeutliche, muß, wer eine Nation von Kriminellen anstrebt, die Bürger wie Kriminelle behandeln.

Wenn Sie wollen, daß heranwachsende junge Menschen selbst als Gefangene betrachten, betreiben sie die Schulen wie Gefängnisse.

Wenn Sie, andererseits, eine Generation von Freiheitskämpfern erziehen wollen, die tatsächlich für Gerechtigkeit, Fairneß, Verantwortlichkeit und Gleichheit untereinander und mit ihrer Regierung einsteht, dann betreiben Sie die Schulen wie Freiheitsforen.

Entfernen Sie die Metalldetektoren und Überwachungskameras, übereignen Sie die Bullen nach sonstwohin und beginnen Sie damit, die jungen Menschen unserer Nation wie Bürger einer Republik zu behandeln und nicht wie Insassen einer Strafanstalt in einem Polizeistaat.

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Der Verfassungsrechtler und Autor, John W. Whitehead, ist Gründer und Vorsitzender des Rutherford Instituts. Seine Bücher, Battlefield America: The War on the American People und A Government of Wolves: The Emerging American Police State, sind bei www.amazon.com erhältlich. Er ist unter johnw [at] rutherford.com erreichbar. Nisha Whitehead ist die Geschäftsführerin des Rutherford Instituts. Informationen über The Rutherford Institute sind unter www.rutherford.org erhältlich.

Quelle: https://bit.ly/3y5VvrK

Alle mit einem * versehenen Links wurden zusätzlich eingefügt, die mit einem * versehenen Links wurden wiederhergestellt und der mit dem *+ gekennzeichnete Link wurde, wegen Unauffindbarkeit der Originalquelle, vom Übersetzer eingefügt.

Bildquelle: Clonny

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