Der ignorierte Völkermord an Christen in Nigeria

Von Raymond Ibrahim
Übersetzung©: Andreas Ungerer

16. August 2020, GATESTONE INSTITUTE

  • Im Frühjahr dieses Jahres.. veröffentlichte Boko Haram ein Video von einem maskierten muslimischen Jungen, der eine Pistole auf eine vor ihm kniende gefesselte Geisel, einen 22 Jahre alten Biologiestudenten, der zuvor auf dem Weg zu seiner Universität entführt worden war, gerichtet hat. Nach arabischsprachigen Gesängen, die in antichristlichen Haßtiraden gipfelten, schoß das muslimische Kind den Christen mehrere Male in den Hinterkopf.
  • Von einigen der grausamsten Begebenheiten abgesehen… berichten die so genannten Mainstream Medien nicht über die Verfolgung. Sollten Journalisten etwa darüber besorgt sein, daß ein politisch inkorrektes Muster entsteht, nach dem die Angriffe ideologische, anstatt nur „kriminelle“ Ursachen haben?
  • Der Grund dafür, daß ehemals einfache Hirten des Stamms der Fulani seit dem Jahr 2015 in der Lage gewesen sind, annähernd doppelt so viele Christen wie die „professionellen“ Terrosisten von Boko Haram umzubringen… ist, um den nigerianischen Bischof Matthew Ishaya Audu zu zitieren, „die Zugehörigkeit von Präsident Buhari zu ebendieser der ethnischen Gruppe der Fulani.“
  • „Warum geraten vornehmlich christliche Gemeinden und deren Leiter ins Fadenkreuz von Terroristen und Viehhirten, wo doch die Regierung und ihre Apologeten behaupten, daß deren Ermordung keinen religiösen Hintergrund habe?“ – The Christian Association of Nigeria, International Centre for Investigative Reporting, 21. Januar 2020.
  • „Was Obama, John Kerry und Hilary Clinton Nigeria angetan haben, indem sie [den amtierenden Präsidenten Muhammadu] Buhari bei den Präsidentschaftswahlen 2015 finanziert und unterstützt und Boko Haram zwischen 2014 und 2015 geholfen haben, war schiere Bosheit und das Blut all derer, die von der Regierung Buhari, seinen Fulani-Hirten und Boko Haram in den letzten 5 Jahren getötet worden sind, klebt an ihren Händen.“ – Femi Fani-Kayode, Nigerias ehemaliger Minister für Kultur und Tourismus, Facebook, 12. Februar 2020.

Die Massaker an Christen in Nigeria, die einige internationale Beobachter als Völkermord eingestuft haben, erreichen beispiellose Ausmaße. Abgebildet: Die Stadt Auno, Nigeria, am 10. Februar 2020, nach einem Anschlag am Vortag, bei dem Jihadisten mindestens 30 Menschen ermordet und Frauen und Kinder entführt hatten. (Foto von Audu Marte/AFP via Getty Images / Gateston Institute)

 

Die Massaker an Christen in Nigeria, die einige internationale Beobachter als Völkermord eingestuft haben, erreichen beispiellose Ausmaße.

Laut einem am 4. August veröffentlichten Bericht wurden in einem Zeitraum von etwa drei Wochen 171 Christen abgeschlachtet:

„Und das sind nur die, von denen wir wissen. In Wirklichkeit wird der Blutzoll wahrscheinlich viel höher sein. Viele Tausende werden, auch durch das nach dem wegen COVID ausgerufenen Lockdowns und des hierdurch entstandenen wirtschaftlichen Chaos‘, gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben und ihrer Lebensgrundlagen beraubt…. Unsere Nachrichtenredaktion wird seit vielen Monaten von solchen Berichten überschwemmt, doch von diesem unerbittlichen und blutigen Tribut, der das Leben von Christen fordert, berichten die Mainstream Medien beunruhigend selten.“

Bei einem der jüngsten Überfälle, am 10. Juli, haben muslimische Hirten 22 Christen massakriert – „wovon die meisten Frauen und Kinder waren“ – und viele Häuser einer Bauerngemeinschaft in Brand gesteckt. „Die Fulani sind dort um sich schießend eingedrungen“, erinnert sich Bilkusi James in ihrem Krankenhausbett. „Sie haben zwei meiner Kinder [und ihren Ehemann] getötet.“ Auch haben sie „fünf weitere von Bilkusis Verwandten mit Macheten zu Tode gehackt, einschließlich einer Mutter mit ihrer kleinen Tochter und einer Mutter mit ihren zwei Söhnen.“

Ein muslimischer Nachbar hatte die christliche Familie offenbar an seine eindringenden Glaubensbrüder verraten: „Bevor sie auf mich geschossen haben“, fuhr Bilkisu fort, „sah ich wie mein Nachbar, ein Fulani, mich ihnen gegenüber identifiziert hat. Ich habe mich ihm auf den Knien ergeben“ – vergeblich. Sie schossen ihr in die Brust und in den Rücken und überließen sie dem Tod, selbst als sie „hörte, wie sie das Streichholz anzündeten und das Haus in Brand setzten“.

Am darauffolgenden Tag wurde ein Nachbardorf überfallen: „Zehn Frauen ein Säugling und ein alter Mann sind in dem Haus, in das sie geflüchtet waren, den Feuertod gestorben. Weiter sieben Dorfbewohner wurden verletzt und vier Häuser niedergebrannt.“ Am 19 Juli wurden mindestens 32 Christen beim Besuch einer Hochzeitsfeier bei Angriffen der Fulani massakriert.

Bei einem weiteren „schrecklichen nächtlichen Angriff während sintflutartiger Regenfälle starben mindestens sieben Christen… dort haben die Kämpfer die unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder brutal mit Macheten zu Tode gehackt. Der Bericht fügt hinzu: „Das war bereits der zweite Angriff auf das Dorf, nach dem bereits wenige Tage zuvor am 20. Juli sieben Bewohner bei einem Angriff ermordet worden sind.

Am 29. Juli haben muslimische Viehhirten weitere 14 Christen ermordet – von denen dreizehn aus einer einzige Großfamilie stammten. Nur ein Mitglied dieser Familie hat den Angriff überlebt. Seine Frau, all seine Kinder, Tante, Onkel, Bruder und anderen Familienangehörige sind dem Massaker zum Opfer gefallen.

In der vergangenen Woche haben Jihadisten die Löwe Judas-Kirche in Azikoro gestürmt und das Feuer auf die Kirchgänger eröffnet, wobei vier Christen getötet worden sind.

Weitere Gräueltaten in einem einzigen Artikel aufzulisten – es sind Hunderte im Laufe der Jahre – ist sinnlos. (Für einen umfassenden Blick auf das Leiden der Christen in Nigeria und anderen muslimischen Nationen lesen Sie bitte Gatestones monatliche Berichte zur „Christenverfolgung„).

Denken Sie nur an den April 2020, als machetenschwingende muslimische Hirten zwischen dem 1. und 2. April mindestens 13 Christen ermordet hatten. „[W]ir wachten auf und begruben sieben Menschen, die bei einem nächtlichen Angriff verbrannt worden waren… „, so eine Quelle. Bei den Getöteten „handelt es sich zumeist um ältere Christen, die nicht fliehen konnten, da jüngeren Mitglieder der Gemeinde sich während des Angriffs in die umliegenden Büsche flüchteten.“

Dann haben die Viehhirten der vom Stamm der Fulani am 7. April einen Pastor und drei Mitglieder seiner Kongregation massakriert, einschließlich eines 10-jährigen Jungen. Der Pastor, Matthew Tagwai, hinterläßt eine schwangere Frau mit zwei kleinen Kindern.

Am 10. April haben muslimische Viehhirten der Fulani den 55-jährigen Pastor Stephen Apkor ermordet. „Zwei Hirten kamen zu einer Nebenstelle unserer Kirche, der Himmlischen Kirche… in der sie ihn erschossen als er mit fünf Kirchenmitgliedern gebetet und ihnen Lebensberatung erteilt hat“, sagte sein Kollege. „Die Hirten haben mehrere Male auf den Pastor geschossen und ihn dann erstochen.“ Er hiterläßt seine Frau und fünf Kinder.

Am 11. April haben Viehhirten der Fulani einen christlichen Bauern erschossen.

Am 13. April haben Viehhirten der Fulani zwei Christen solch grausame Art und Weise geköpft, daß diese „ohne ihre Köpfe begraben werden mußten.“

Am 14. April haben Viehhirten der Fulani neun Christen abgeschlachtet, unter denen sich sechs Kinder und eine schwangere Mutter befanden. „Sie waren mit Macheten und Maschinengewehren vom Typ AK-47 bewaffnet, als sie uns angegriffen haben“, erinnert sich ein Überlebender: „Sie haben unser Dorf gegen 8 Uhr abends angegriffen und haben ‚Allahu Akbar!‘ gerufen, als sie in unsere Häuser geschossen haben.“ Neununddreißig Häuser gingen in Flammen auf.

Am 16. April haben Viehhirten der Fulani Sebastine Stephen, einen jungen christlichen Studenten ermordet. „Es waren über 50 Hirten, die mit modernen Gewehren sporadisch geschossen haben. Nachdem sie den jungen Mann getötet hatten“, berichtete ein Überlebender, „brachen sie dann in das Haus von Mr. Jack Nweke ein und entführten ihn mit dessen Frau, wobei sie ihre drei Kinder zurückgelassen haben“.

Am 19. April haben die Viehirten der Fulani vier Christen getötet. „Auch sind achtunddreißig Häuser niedergebrannt worden, wovon etwa 87 Familien betroffen sind“, wie eine Quelle berichtete.

Am 20. April „wurde der christliche Bauer Titus Nytar erschossen und ihm der Kopf abgetrennt“, sagte ein Anwohner. Titus hat auf seinem Land gearbeitet, als er von den Viehhirten ermordet worden ist.“ Anschließend „sind sie in das Dorf vorgerückt und haben Häuser niedergebrannt und drei Dorfbewohner entführt.“

Am 22. April haben Hirten vom Stamm der Fulani 12 Christen getötet. Zuvor hatten sie, wie der Bericht anmerkt, ein Hochzeitspaar bei der Hochzeitsfeier in deren Kirche entführt.

Am 23. April haben die Fulani „in hauptsächlich von Christen bewohnten Gebieten in Zentral-Nord-Nigeria zwei Menschen getötet, einen weiteren entführt und ein Kirchengebäude, einschließlich der Wohnung des Pastors, niedergebrannt.

Abgesehen von einigen der grausamsten Vorfälle – wie dem der Vergewaltigung und Abschlachtung einer christlichen Studentin, die Zuflucht in einer Kirche gesucht hatte – berichten die so genannten Massenmedien über den Großteil dieser Verfolgung nicht. Sollten die Journalisten etwa besorgt sein, daß ein politisch inkorrektes Muster entsteht, das die Angriffe eher ideologisch motiviert anstatt als bloße „Verbrechen“ erscheinen läßt?

„Es ist, als ob das Leben von Christen keine Bedeutung mehr hat“, sagte ein nigerianischer Pastor über die Hochzeit, die 32 Menschenleben forderte:

„Es ist sehr beunruhigend, daß diese täglichen Angriffe auf Christen … viel zu lange von der Bundes- und der Landesregierung ignoriert werden…. es gibt keine Kondolenzbesuche bei den verbliebenen Opfern in den Gemeinden … es werden keine Schritte unternommen, um ihre Leiden zu lindern, indem man ihnen Hilfsmaterial zur Verfügung stellt, da sie zu Tausenden zu Inlandsvertriebenen gemacht worden sind,“

„Ich bin der festen Überzeugung, daß daß einige dieser muslimischen Sicherheitskräfte mit diesen bewaffneten Männern konspirieren, um unser Volk anzugreifen“, sagte einer der Überlebenden eines kürzlichen Angriffs der Fulani, der den Tod seiner Schwester und vier weiterer Christen zu beklagen hat… die traurige Realität ist, dass unser Volk sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene bei der Regierung vorstellig geworden ist und nichts unternommen wurde.“

„Welches Verbrechen haben diese unschuldigen Menschen an den Viehhirten der Fulani begangen?“, fragte ein anderer Anwohner hinsichtlich eines Angriffs, bei dem ein Pastor und ein 10-jähriges Kind ums Leben kamen.

„Wie lange sollen wir dieses Töten noch erdulden? Wie lange sollen wir damit fortfahren, die Regierung und die Sicherheitsbehörden noch anflehen unserem Volk zu Hilfe zu kommen?“

Ihre Fragen sind angesichts der kürzlich veröffentlichten Statistiken besonders relevant: Seit 2009 sind „nicht weniger als 32.000 Christen von den größten Jihadistengruppem des Landes massakriert worden“ – und es wurde, laut einem Bericht vom Bericht vom Mai, nichts dagegen unternommen:

„Militante Fulani-Hirten und Boko Haram … haben ihre Gewalt gegen Christen intensiviert… indem sie in den ersten viereinhalb Monaten des Jahres 2020 nicht weniger als 620 wehrlose Christen [470 von Hirten der Fulani und 150 von Boko Haram] zu Tode gehackt und ihre Gottesdienst- und Lernzentren mutwillig in Brand setzten oder zerstört haben. Die Greueltaten gegen Christen gehen ungebremst und mit den Sicherheitskräften des Landes und den betroffenen politischen Akteuren, die wegschauen oder mit den Dschihadisten konspirieren, zu einem alarmierenden Höhepunkt gelangt. In dieser Zeit sind Hunderte von Häusern niedergebrannt oder zerstört worden; ebenso Dutzende von christlichen Gottesdienst- und Lernzentren.“

Der Grund dafür, daß ehemals einfache Hirten des Stamms der Fulani seit dem Jahr 2015 in der Lage gewesen sind, in Nigeria annähernd doppelt so viele Christen wie die „professionellen“ Terrosisten von Boko Haram umzubringen ist, laut zahlreichen christlichen Führern, um den nigerianischen Bischof Matthew Ishaya Audu zu zitieren, „die Zugehörigkeit von Präsident Buhari zu ebendieser der ethnischen Gruppe der Fulani.“

In einer Erklärung vom Januar beschuldigte die Christian Association of Nigeria, eine Dachorganisation, die die meisten christlichen Glaubensgemeinschaften vertritt, „die Bundesregierung unter Präsident Muhammadu Buhari“, mit den islamischen Terroristen „konspiriert“ zu haben, „um die Christen in Nigeria auszurotten“. Die Vereinigung fragte:

„Warum geraten vornehmlich christliche Gemeinden und deren Leiter ins Fadenkreuz von Terroristen und Viehhirten, wo doch die Regierung und ihre Apologeten behaupten, daß deren Ermordung keinen religiösen Hintergrund habe?“

Einige der nigerianischen Führer sehen die Verantwortung an höherer Stelle und beschuldigen „den als das Böse bezeichneten Barack Obama“ – so etwa der ehemalige nigerianische MInister für Kultur und Tourismus, Femi Fani-Kayode. Am 12. Februar schrieb das ehemalige Regierungsmitglied auf seinem Facebook-Account:

„Was Obama, John Kerry und Hilary Clinton Nigeria angetan haben, indem sie [den amtierenden Präsidenten Muhammadu] Buhari bei den Präsidentschaftswahlen 2015 finanziert und unterstützt und Boko Haram zwischen 2014 und 2015 geholfen haben, war schiere Bosheit und das Blut all derer, die von der Regierung Buhari, seinen Fulani-Hirten und Boko Haram in den letzten 5 Jahren getötet worden sind, klebt an ihren Händen.“

Auch wenn Präsident Buharis Stamm der Fulani seit seiner Präsidentschaft den Löwenanteil der Angriffe auf Christen beansprucht hat, ist Boko Haram – die ursprüngliche Geißel der Christen in Nigeria – immer noch aktiv. Anfang dieses Jahres wurde beispielsweise ein Video veröffentlicht, das ein maskiertes muslimisches Kind zeigt, das eine Pistole auf eine vor ihm kniende und gefesselte christliche Geisel, einen 22-jährigen Biologiestudenten, richtet, der zuvor auf dem Weg zu seiner Universität entführt worden war. Nach arabischsprachigen Gesängen, die in antichristliche Haßtiraden gipfelten, schoß das muslimische Kind den Christen mehrere Male in den Hinterkopf.

Einige Wochen zuvor hatten islamistische Bewaffntete Reverend Lawan Andimi entführt, einen Pastor und Bezirksvorsitzenden der nigerianischen Bruderkirche. Nachdem die Terroristen ein exorbitant hohes Lösegeld für seine Freilassung gefordert hat – zwei Millionen Euro, welche die Kirche und seine Familie schlicht nicht aufbringen konnten – haben sie den verheirateten Vater von neun Kindern geköpft. Zuvor hatte Pastor Lawan in einem Video vom 5. Januar, das seine Entführer veröffentlicht hatten, gesagt, er hoffe, mit seiner Frau und seinen Kindern wiedervereint zu werden, „wenn dieser Fall jedoch nicht eintritt, ist es vielleicht Gottes Wille. Kollegen, ich möchte, daß alle Menschen nah und fern, Geduld haben. Weint nicht, sorgt Euch nicht, sondern dankt Gott für alles.“

Bischof Matthew Kukah sagte zur Köpfung von 10 weiteren Christen im Frühjahr dieses Jahres, daß „die nigerianische Regierung die Hebel der Macht benutzt, um die Vorherrschaft des Islam abzusichern. Der einzige Unterschied zwischen der Regierung und Boko Haram ist daß Boko Haram im Besitz der Bombe ist.“

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Raymond Ibrahim, Autor seines jüngsten Buches, Sword and Scimitar, Fourteen Centuries of War between Islam and the West, ist ein angesehener Senior Fellow beim Gatestone Institute, ein Shillman Fellow am David Horowitz Freedom Center und ein Judith Rosen Friedman Fellow am Middle East Forum.

Quelle: https://www.gatestoneinstitute.org/16349/genocide-christians-nigeria

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