Das Feiern von Thanksgiving inmitten Zeiten giftiger Politik und COVID-19-Lockdowns

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Von John W. Whitehead
Übersetzung©: Andreas Ungerer

 

„War is over if you want it“ – John Lennon

23. November 2020, The Rutherford Instiute
Gäbe es je einen Preis für ein Jahr mit schlechten Nachrichten im Überfluß und einem Mangel an guten Nachrichten, hätte ihn das Jahr 2020  wohl verdient. Zwischen dem giftigen politischen Theater, Pandemie-Ängsten, bundesweiten Lockdowns mit dem Beigeschmack des Kriegsrechts, einer wirtschaftlichen Achterbahnfahrt und der allgegenwärtigen Bedrohung durch den Polizeistaat war dieses harte, herzzerreißende und Übelkeit erzeugende Jahr von ebenso deutlich zu viel Haß geprägt wie von zu wenig Toleranz.

Ein Jahr, in dem die Tyrannei ein paar weitere Schritte an Boden gewann, die Freiheit einige weitere Kerben erhielt und Politik und Margen Vorrang hatten vor Anstand, Mitgefühl und Nächstenliebe.

In diesem Augenblick, überwältigt von all den Mißständen in der Welt,  vermissen wir die Gemeinschaft von Familie und Freunden, die durch die Einschränkungen und COVID-19-Bedenken gezwungen sind, sich voneinander abzugrenzen.

Kein Wunder, daß es so vielen schwerfällt, an diesem Erntedankfest etwas dankenswert Gutes zu finden. Wie soll man sich schließlich für ständig untergrabene Freiheiten bedanken? Wie drückt man Dankbarkeit für die eigene Sicherheit aus, wenn die durch den Polizeistaat verursachten Gefahren von Tag zu Tag heimtückischer werden? Wie kommt man als Nation in Dankbarkeit zusammen, wenn die künftigen Mächte weiterhin polarisieren und uns in kriegerische Splittergruppen spalten?

Ich habe aus dem Leben in einer kleinen Gemeinde (1500 Einwohner) im vergangenen Jahr Folgendes gelernt: Man muß sich weder in politischen oder religiösen Fragen einig sein noch dieselbe demographische Zusammensetzung haben, um friedlich miteinander zu leben.

Bei den Mitgliedern dieser Gemeinde herrscht kein Überfluß an schicken Autos, hochgradigen Abschlüssen oder sechsstelligen Gehältern oder etwa an Ausschüssen, in denen Probleme tot diskutiert werden, und doch beherrschen sie die Kunst des Miteinanders. Sie machen keinen Hehl aus ihren Ansichten über Politik und Religion und aus allem anderen, was ihnen durch den Kopf geht, und dennoch sind sie gegenüber grundsätzlich Andersdenkenden stets freundlich, nachbarschaftlich und respektvoll, selbst wenn sie völlig anderer Meinung sind.

Ja, Amerika, es gibt ein Leben jenseits der Politik und das kann wundervoll sein, wenn Du ihm nur die Chance dazu gibst.

Mein Vorschlag lautet: Tun Sie sich an diesem Erntedankfest selbst einen Gefallen und schalten Sie die Nachrichtensprecher aus, schalten Sie die Politiker aus und atmen Sie tief durch. Dann versuchen Sie diese Übung in Dankbarkeit: Finden Sie etwas, wofür Sie dankbar sein können, für die Dinge und Menschen in Ihrer Gemeinde, für die Sie vielleicht die geringste Toleranz oder Wertschätzung haben. Anstatt einfach eine Liste von Dingen herunterzurasseln, für die Sie dankbar sind und die sich gut anhören, sollten Sie etwas tiefer graben und das Gute in denjenigen anerkennen, die Sie vielleicht unterschätzt oder gefürchtet haben.

Wenn es an der Zeit ist, sich für Ihr Glück zu bedanken, setzen Sie Ihre Dankbarkeit in die Tat um: Geben Sie Ihren Segen mit Taten weiter, die ein wenig Freundlichkeit verbreiten, jemandem die Last erleichtern und Licht in irgendeine dunkle Ecke bringen.

Sein Sie freundlich. Lächeln sie öfter. Kämpfen Sie weniger. Bauen Sie Brücken. Weigern Sie sich, giftige Politik Ihre Beziehungen bestimmen zu lassen. Konzentrieren Sie sich auf das, was verbindet, anstatt auf das, was trennt.

Tragen Sie Ihren Teil dazu bei, mit bewußtem Mitgefühl und Menschlichkeit gegen die Bosheit in unserer Kultur anzugehen. Stimmungen sind ansteckend, die guten wie die schlechten. Sie lassen sich von Mensch zu Mensch übertragen. Dasselbe gilt für die mit diesen Stimmungen verbunden Taten, für guten sowie für die bösen.

Selbst in Zeiten der bundesweiten Einschränkungen durch COVID-19 läßt sich so viel Gutes für jene tun, die dessen bedürfen.

Sein Sie ein Held, ob jemand zur Kenntnis nimmt oder nicht.

Barmherzigkeit, egal wie inkonsequent sie erscheinen mag, kann eine Bewegung entzünden.

In jedem von uns lebt ein innerer Held, auf den wir im Notfall zurückgreifen können„, folgert der Psychologe Philip Zimbardo. „Wenn Sie glauben, daß jemand auch nur ansatzweise hilfsbedürftig ist, dann handeln Sie danach. Vielleicht können Sie ein Leben retten. Sie sind die moderne Version des barmherzigen Samariters, der die Welt zu einem besseren Ort für uns alle macht“.

Alles, was es hierzu bedarf, ist ein Mensch, der sich dem dem Pferch löst, um die Dynamik eines Umstands zu verändern. „Sobald irgendwer hilft, werden sich andere innerhalb von Sekunden hinzugesellen, weil eine neue soziale Norm entsteht„, merkt Zimbardo an.

Das ist, was Zimbardo die „Macht des Einzelnen“ nennt.

„Wenn Sie sich in einem Zwiespalt befinden, widerstehen Sie dem Drang, auf andere zu schauen, und folgen Sie Ihrem Bauchgefühl„, rät Melissa Burkley in Psychology Today. „Wenn Sie glauben, daß auch nur die Möglichkeit besteht, daß jemand in Not ist, handeln Sie danach. Schlimmstenfalls werden Sie sich ein paar Minuten lang blamieren, aber im besten Fall werden Sie ein Leben retten“.

In anderen Worten: Wenden Sie sich nicht ab vom Leid. Selbst einen Fremden anzulächeln kann in diesen angsterfüllten Zeiten einen revolutionären Akt darstellen.

Alles, was es zum Auslösen einer Kettenreaktion bedarf, ist ein Mensch.

So wurde beispielsweise vor einigen Jahren in Florida eine sechsköpfige Familie mit vier Erwachsenen und zwei kleinen Jungen von einer starken Strömung in Panama City Beach aufs Meer hinausgespült. Kein Rettungsschwimmer war im Dienst. Die Polizei stand bereit und wartete auf ein Rettungsboot. Und die wenigen Menschen, die versucht hatten, zu helfen, waren ebenso ratlos.

Bis eine Gruppe am Strand damit begann eine Menschenkette zu bilden. Was mit fünf Freiwilligen begann, wuchs heran auf 15 und dann auf 80 Menschen, von denen einige sogar Nichtschwimmer waren.

Sie gaben einander die Hände und begaben sich über die Länge ihrer Kette ins Meer. Der kräftigste der Freiwilligen schwamm davon und begann damit die hilflosen Opfer aus der Rippströmung die Kette entlang zu reichen.

So haben Sie die in Not geratenen einen nach dem anderen in Sicherheit gebracht.

Das ist es, was in diesem Land geschehen muß, wenn wir uns nur zusammenschließen und den Strömungen widerstehen, die uns zu überwältigen drohen.

Wie ich in meinem Buch Battlefield America: The War on the American People verdeutliche können wir vielleicht nicht viel tun, um die düstere Realität des Polizeistaates langfristig zu vermeiden – nicht solange die derzeitigen Machthaber weiterhin bestimmen und die Gewinnspannen Vorrang vor den Bedürfnissen der Menschen haben – aber kurzfristig gibt es Dinge, die wir alle jetzt schon tun können, um diese Welt (oder zumindest unsere kleinen Ecken in ihr) ein wenig freundlicher, deutlich weniger zerstritten und gerechter zu gestalten.

Es ist nie zu spät, um damit zu beginnen, die Dinge in der Welt richtigzustellen.

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Der Verfassungsrechtler und Autor John W. Witehead ist Gründer und Vorsitzender des Rutherford Institute. Sein neues Buch Battlefield America: The War on the American People ist bei Amazon erhältlich. John W. Whitehead selbst ist unter johnw[at]rutherford.org erreichbar.

Quelle: https://bit.ly/39b3ATc

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