Afrika im Jahresrückblick 2021: Regionale Konflikte und die Rolle des Imperialismus

 

Von den westlichen bis in die östlichen Regionen dauert der Kampf gegen die Destabilisierung unvermindert an

 

Von Abayomi Azikiwe
Übersetzung©: Andreas Ungerer

31. Dezember 2021, Global Research
Seit dem Jahr 2020 hat sich die Anzahl der militärischen Interventionen in die Politik Afrikas erhöht.

Was jedoch oft bei der vorsätzlichen Unterwanderung der nationalen und regionalen Stabilität übersehen wird, ist die Rolle westlicher Regierungen und ihrer Militäreinrichtungen.

Der nordafrikanische Staat Libyen ist ein Paradebeispiel für die verheerenden Auswirkungen des Pentagon, der Central Intelligence Agency (CIA), des Außenministeriums sowie der von Washington kontrollieren North Atlantic Treaty Organisation (NATO) bei der Zerstörung des erdölreichen Staates vor einer Dekade. Dieses imperialistische Projekt war die erste vollumfängliche Operation der drei Jahre zuvor im Jahr 2008 gegründeten [und im deutschen Stuttgart stationierten] United States Africa Command* (AFRICOM).

Bis heute versinkt Libyen im Chaos, da es mindestens dreimal nicht gelungen ist, eine von den Vereinten Nationen vermittelte funktionierende Regierung der nationalen Einheit zu bilden und die anhaltenden internen Kriege im Lande zu beenden. Für den 24. Dezember waren Wahlen angesetzt. Die Wahlen konnten jedoch nicht stattfinden, weil es den Eliten nicht gelungen ist, ein auf den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung basierendes, kohärentes politisches System zu schaffen.

Unter dem politischen Regime der Dschamahirija* unter dem verstorbenen Oberst Muammar Gaddafi war Libyen zum wohlhabendsten Staat innerhalb der Afrikanischen Union (AU) geworden. Der Staat war ein Bollwerk der Unterstützung für nationale Befreiungsbewegungen und soziale Gerechtigkeit in ganz Afrika und der Welt.

Während des vergangenen Jahrzehnts ist Libyen zu einer Quelle von Konflikten und Instabilität in ganz Nord- und Westafrika geworden. Menschenhandel hat das Leben von Einheimischen und Millionen Migranten in Gefahr gebracht, die auf dem Weg zum Mittelmeer und auf den europäischen Kontinent durch das Land geschleust werden.
Bei der Betrachtung der derzeitigen Sicherheitssituation in Mali, können die Ursprünge der seit dem Jahr 2012 andauernden Krise bis zu der Mission von Pentagon und NATO in Libyen zurückverfolgt werden. Die Rebellengruppen, die von den Imperialisten rekrutiert, bezahlt, bewaffnet, koordiniert und gefördert worden sind, hatten keine konsistente ideologische Orientierung, die zur Errichtung eines modernen politischen Staats hätte führen können.

Die Rebellenunruhen in Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Kamerun, Tschad sowie in anderen westafrikanischen Staaten folgen einem ähnlichen Muster. Der Fokus dieser bewaffneten Gruppen lag auf der Schaffung von Unsicherheit und der Zerstörung jedweder Entwicklung.

Sowohl Oppositionsparteien als auch  Massenorganisationen in Mali waren einige Monate im Nachgang einer umstrittenen Parlamentswahl von der Rolle des ehemaligen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita* enttäuscht. Die Afrikanische Union (AU) hat umgehend versucht nach dem Putsch zu intervenieren, um die Wiederherstellung einer Zivilregierung zu fördern. Mit dem Ziel, in naher Zukunft Mehrparteienwahlen durchzuführen, wurde eine Interimsregierung errichtet.

Probleme mit den Übergangsregelungen führten innerhalb von zehn Monaten zu einem weiteren Putsch. Oberst Assimi Goita*, der Anführer der Putsche von 2020 und 2021, wurde in Kriegsakademien des Pentagons in den USA ausgebildet. Die USA haben militärische Persönlichkeiten wie Goita und Oberst Mamady Doumbouya* ausgebildet, was möglicherweise erklärt, warum es der AU nicht möglich war, diese beiden Männer von der Staatsmacht zu verdrängen.

Oberst Doumbouya hat sich ebenso wie Oberst Goita offen über die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hinweggesetzt, die gemeinsam mit der AU Sanktionen verhängt hatte. Beide Militärführer können sich an der Macht halten und transnationalen Unternehmen ermöglichen, die Ausbeutung des Bodens und der Ressourcen Afrikas fortzusetzen.

Die Bundesrepublik Nigeria, der meist bevölkerte Staat auf dem afrikanischen Kontinent, war offenbar unfähig die seit dem Jahr 2009 im Norden des Landes wütenden Aufstände der Boko Haram aufzulösen. Der derzeitige Präsident Muhammadu Buhari*, ein ehemaliger Karriere-Soldat,  bemühte sich im Jahr 2015 mit den Worten um das Amt, daß unter seiner Führung die Boko Haram innerhalb von sechs Monaten besiegt sein würde.

Boko Haram* hat nicht nur die Menschen im Nordosten Nigerias weiterhin terrorisiert, sondern sich auch in anderen angrenzende Staaten der Region wie dem Tschad, Kamerun und Niger ausgebreitet. Im Namen des radikalen Islam war die Gruppe an Entführungen, Erpressung, Morden und sexuellen Übergriffen an Kindern beteiligt. Die Unfähigkeit der Bundesregierung, die Aufstände zu beenden, hat auch in anderen Regionen, einschließlich des Nordwestens, der Mitte und des Südens eine Atmosphäre größerer Unsicherheit geschaffen.

Während des Jahres 2021 soll Buhari eine Verlegung der Zentrale von AFRICOM aus dem deutschen Stuttgart nach Nigeria gefordert haben. Solche Stellungnahmen skizzieren den Mangel an strategischer Weitsicht innerhalb der derzeitigen Führung des über 200 Millionen Einwohner umfassenden Staates Nigeria. Buhari und anderen Staatschefs in Afrika, die glauben, daß eine stärkere Präsenz des Pentagons ein höheres Maß an nationaler Sicherheit bedeutet, sollte klargemacht werden, daß das Gegenteil der Fall ist.

Seit dem Erscheinen von AFRICOM hat sich die Situation innerhalb des Gebietes der Afrikanischen Union verschlimmert. Solange Afrika nicht sein eigenes, unabhängiges Militärsystem in Gang setzen kann, um,  angesichts der kontinuierlichen imperialistischen Destabilisierung und Ausbeutung, die Sicherheit aufrechtzuerhalten, wird die allgemeine Entwicklung des Kontinents weiterhin unterdrückt werden.

Die strategischen Interessen des Imperialismus am Horn von Afrika

Die Konflikte in Äthiopien, dem Sudan und Somalia sind alle mit ähnlichen Bemühungen verbunden, die wirtschaftliche Zukunft dieser wichtigen Staaten zu bestimmen. Äthiopien wird von vielen zeitgenössischen Historikern als die Wiege der menschlichen Zivilisation betrachtet. Die Geschichte des Sudan ist ebenso alt und ausschlaggebend wie die äthiopische. Auch Somalia wird, wegen seiner Lage am Indischen Ozean und sehr nah am Golf von Aden und der Arabischen Halbinsel, von Washington und der Wall Street begehrt.

All diese Staaten verfügen über Bodenschätze, die in dem von Kapitalismus und Imperialismus geprägten Weltwirtschaftssystem von großer Bedeutung sind. Der Sudan hat gemeinsam mit Somalia enorme Vorkommen an Erdöl und anderen Bodenschätzen. Das Grand Ethiopian Renaissance Dam Project* (GERD) hat das Potential zur enormen Verbesserung der Wasserkraftkapazität in den Regionen Ost- und Nordafrikas.

Die Machenschaften der USA in Äthiopien haben die Aufmerksamkeit vieler Afrikaner innerhalb des Kontinents und international auf sich gezogen. In vielen Städten in den USA und auf der ganzen Welt hat die #NoMore-Bewegung an Bekanntheit gewonnen. In den äthiopischen Medien gibt es täglich zahlreiche Hinweise auf die Notwendigkeit der Einheit gegen die hegemonialen Bemühungen Washingtons. Die rebellische Tigray People’s Liberation Front* (TPLF) wird von Washington einmal mehr darauf vorbereitet, die Regierung in Addis Abeba zu übernehmen. Die von Präsident Joe Biden verhängten Sanktionen sind eine Fortsetzung der fehlgeleiteten Außenpolitik der USA gegen Afrika und seine Bevölkerung. Mit der Niederschlagung der jüngsten Rebellenvorstöße in Äthiopien hat sich die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed* den Respekt der afrikanischen Bevölkerung und der echten Antiimperialisten in aller Welt erworben.

Die angeschlagene Führung des Militärischen Übergangsrates (TMC) in der Republik Sudan steht kurz davor, wegen ihrer unentwirrbaren Verbindungen zum Imperialismus weiter bloßgestellt zu werden. Die Demokratiebewegung im Sudan ist von zentraler Bedeutung für die allgemeine Krise am Horn von Afrika. Ägypten, der nach dem Staat Israel der zweitgrößte Empfänger von Hilfe aus Washington, arbeitet fieberhaft daran, den Transformationsprozeß im Sudan und in Äthiopien zu untergraben. Nach dem Vorbild Washingtons hat Kairo die Verhandlungen mit der Regierung Abiy über die Auffüllung des GERD-Projekts politisiert. Der Sudan wird aufgrund der politischen Ausrichtung und der wirtschaftlichen Verwundbarkeit der Militärjunta beeinflußt.

Ägypten will eine dauerhafte Rolle westlicher Militärinteressen im Sudan sicherstellen. Präsident Abdel Fattah as-Sisi*, der als Militäroffizier zurücktrat, um als Staatschef zu kandidieren, nachdem er im Jahr 2013 eine Zivilregierung gestürzt hatte. Die Vereinigten Staaten [VS] können sich keine politisch unabhängige Regierung in Ägypten dem Tor zum restlichen Afrika, Westasien und Südeuropa leisten.

Pan-Afrikanismus gewinnt für die Diskussion um Sicherheit an Bedeutung

Einer neuen Generation von Afrikanern wird die Ideologie des Pan-Afrikanismus angeboten. Die einzige Lösung der Sicherheitskrise in Afrika lautet Vereinigung.

Die Massen im Sudan und in Äthiopien haben in eine neue Richtung für die politische Organisation und den Widerstand gegen den Imperialismus gewiesen. Bidens Außenpolitik am Horn von Afrika hat die Einheit zwischen Äthiopiern, Eritreern und anderen Völkern des Kontinents gefördert. Bei allen Gesprächen über die Erreichung von Stabilität am Horn von Afrika, in Westafrika und anderen Regionen muß die destabilisierende Wirkung des imperialistischen Militarismus berücksichtigt werden. Über die angebliche militärische Ausbildung der Streitkräfte bis hin zur Lieferung von Kriegswaffen und -techniken haben die VS, Frankreich, Großbritannien, die EU und die NATO die Strukturen des postkolonialen Afrikas tief durchdrungen [wobei insbesondere auch die kriegstreibende Rolle der Bimbesrepublik hierbei* erwähnt werden muß / Anm. d. Übers.].

Während des Putsches in Conakry* im Mai 2021 war die Anwesenheit von Truppen der AFRICOM unübersehbar. Diese Militärs könnten ohne die volle Rückendeckung transnationaler Unternehmen, des internationalen Finanzkapitals und ihrer Sicherheitsapparate nicht dermaßen ungestraft handeln. Stabilität und Sicherheit werden sich erst dann realisieren lassen, wenn die Ressourcen, das Land und die Arbeitskraft der afrikanischen Völker zurückerobert und zum Nutzen der Mehrheit eingesetzt werden.

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Abayomi Azikiwe ist der Herausgeber der Pan-African News Wire und regelmäßiger Autor bei Global Research.

Quelle: https://www.globalresearch.ca/…

Die mit einem * versehenen Links wurden zusätzlich eingefügt.

Bildquelle: Global Research

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Herzlichen Dank!

2 Antworten zu “Afrika im Jahresrückblick 2021: Regionale Konflikte und die Rolle des Imperialismus”

  1. Natürlich… die pöööse USA mit ihrem pöösen Imperialismus – und nicht ein Wort von China, das Afrika weitestgehend übernommen bzw. aufgekauft hat…

    Ps. „[…]
    Viele sind dabei oftmals faktenresistent. Selbst öffentliche Stellungnahmen und politische Handlungen der „östlichen Regierungen“ (vornehmlich Russland und China) werden negiert. Es spielt keine Rolle, dass sowohl Moskau als auch Peking eng mit dem IWF zusammen arbeiten. Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Weltbank und der UN, um das Ziel einer globalen Eine-Welt-Regierung und eines zentralisierten Eine-Welt-Wirtschaftssystems zu erreichen. Es spielt keine Rolle, dass in der AIIB zum Teil die gleichen Personen sitzen wie im IWF. Man will diese Fakten nicht sehen. Vielmehr wird alles daran gesetzt sein eigenes Schwarz-Weiß-Denken aufrecht zu erhalten.
    […]“
    https://dudeweblog.wordpress.com/2015/12/30/nwo-ost-und-west-spielen-das-gleiche-spiel-der-versuch-eines-blicks-hinter-den-spiegel/

    1. Ja, und kein Wort davon, daß die VS letztlich Teil des anglo-amerikanischen Imperiums sind und ebenso wie China und Rußland im Namen und zugunsten der Krone agieren. Kein Wort von der Unterwerfung der Welt unter die menschenverachtende Religion des Islam und der weltweiten Auslöschung des Christentums sowie der westlichen Kultur, die durch die von westlichen Politikern in Afrika und dem Nahen Osten angezettelten, mit unseren Steuergeldern finanzierten Konflikte, welche die ebenso von uns finanzierte Massenmigration mehrheitlich für unsere bisherigen Verhältnisse strunzdummer, bildungsresistenter und integrationsunwilliger islamistischer Männer im wehrfähigen Alter aus Kriegsgebieten im Nahen Osten und Afrika verursacht, die wiederum Ursache für viele Allah wohlgefälliger Handlungen sind, die aus Rücksicht auf die erhaltenswerte traditionelle Lebensweise dieser ethnischen Minderheiten gar nicht oder nur selten strafrechtlich verfolgt werden.

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